Schmutzwäsche zieht Bettwanzen an

In getragener und abgelegter Kleidung versteckte Parasiten könnten im Gepäck von Urlaubern große Strecken zurücklegen, was die zunehmende Verbreitung der Wanzen erklären würde
Adulte Bettwanze (Cimex lectularius) bei der Blutmahlzeit auf dem Arm eines freiwilligen menschlichen Wirts
Adulte Bettwanze (Cimex lectularius) bei der Blutmahlzeit auf dem Arm eines freiwilligen menschlichen Wirts
© Piotr Naskrecki / Centers for Disease Control and Prevention, gemeinfrei
Sheffield (Großbritannien) - Touristen sollten in Schlafräumen, in denen das Vorkommen von Bettwanzen nicht ganz ausgeschlossen ist, keine schmutzige Wäsche rumliegen lassen: Die Parasiten werden vom Geruch der Kleidung angezogen, verkriechen sich darin und könnten so als blinde Passagiere mit nach Hause reisen. Damit ließe sich die schnelle globale Ausbreitung der flügellosen Insekten durch den modernen Flugtourismus erklären, berichten britische Biologen im Fachblatt „Scientific Reports“. Sie empfehlen daher, getragene Kleidungsstücke im Urlaub nur im geschlossenen Koffer aufzubewahren.

„Bettwanzen können mehr als hundert leicht flüchtige Substanzen wahrnehmen, die Bestandteile des menschlichen Körpergeruchs sind“, schreiben die Forscher um William Hentley von der University of Sheffield. „Viele dieser Geruchsstoffe werden wahrscheinlich auch noch eine Zeit lang von abgelegter getragener Kleidung freigesetzt.“ Die Biologen vermuten, ein solcher Geruch könne die Parasiten aus ihren Verstecken hervorlocken und ein Suchverhalten nach dem Wirt auslösen. Die nachtaktiven Bettwanzen (Cimex lectularius) leben vom Blut warmblütiger Lebewesen. Tagsüber verkriechen sie sich in Ritzen und Spalten in der Nähe der Schlafplätze ihres Wirts. Die etwa sieben Millimeter großen braunroten Insekten können bis zu einem Jahr alt werden. Sowohl die Larven als auch die erwachsenen Tiere saugen Blut. Die Stiche verursachen Juckreiz und können zu Hautentzündungen führen.

Für ihre Experimente nutzten die Forscher zwei identische, etwa 20 Quadratmeter große Zimmer. In einem davon erhöhten sie die Kohlendioxidkonzentration der Luft, um so das Atmen eines Menschen zu simulieren. Auf dem Boden in der Mitte der Räume platzierten sie jeweils fünf männliche und fünf weibliche Bettwanzen in einem Plastikgefäß. Dazu legten sie im Abstand von einem Meter vier Einkaufsbeutel aus Baumwolle, die jeweils ein T-Shirt und ein Paar Socken aus Baumwolle enthielten. Die Wäschestücke in zwei Taschen waren sauber, während die in den anderen beiden Taschen zuvor drei Stunden getragen worden waren. Dann ließen die Biologen die Wanzen aus dem Gefäß frei. Vier Tage später ermittelten sie, wohin die Tiere gekrabbelt waren. In der schmutzigen Wäsche wurden die Parasiten mit doppelt so großer Wahrscheinlichkeit gefunden wie in der sauberen Wäsche. Dieser Versuch wurde sechsmal wiederholt. Es ergaben sich keine Unterschiede im Verhalten von männlichen und weiblichen Wanzen.

Der Kohlendioxidgehalt der Luft beeinflusste das Ergebnis nicht. Allerdings bewirkte das Gas, dass die Insekten eher ihren Ausgangsort verließen. Wahrscheinlich regt das von Menschen ausgestoßene Kohlendioxid so wie bei Stechmücken die Suche nach einem Wirt an, schreiben die Autoren. Zur Lokalisierung des Ziels dient aber allein der von der Haut ausgehende Körpergeruch. Der passive Transport in der Wäsche von Urlaubern sei nach Ansicht der Forscher ein biologisch realistischer Mechanismus, der eine schnelle Ausbreitung der Bettwanzen über große Entfernungen hinweg erklären könnte. Wer also im Urlaub seine Wäsche nicht waschen will, sollte sie möglichst unzugänglich für Ungeziefer lagern.

© Wissenschaft aktuell


 

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