Produktion neuer Hirnzellen hält bis ins hohe Alter unverändert an

Auch im Hippocampus alter Menschen entstehen noch neue Neuronen, die für Gedächtnis- und Lernprozesse nötig sind
Der Hippocampus hat die Form eines Seepferdchens.
Der Hippocampus hat die Form eines Seepferdchens.
© Professor Laszlo Seress / Creative Commons (CC BY-SA 3.0), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en
New York (USA) - Alte Männer und Frauen bilden in der Hirnregion des Hippocampus in ähnlichem Maß neue Hirnzellen wie junge Menschen. Allerdings verringert sich im Alter die Neubildung von Blutgefäßen und die sogenannte neuronale Plastizität, das heißt die Fähigkeit neuer Neuronen, sich mit anderen zu verbinden. Das ergaben Autopsiebefunde, über die amerikanische Forscher im Fachblatt „Cell Stem Cell“ berichten. Bei Mäusen und Affen lässt die Produktion neuer Nervenzellen aus adulten Stammzellen mit zunehmendem Alter deutlich nach. Im Gegensatz dazu könnte die beim Menschen unverändert anhaltende Neurogenese für einen prinzipiell lebenslangen Erhalt der kognitiven Hirnfunktionen sorgen – falls diese nicht durch Krankheiten eingeschränkt werden.

„Wir ermittelten auch ein bei allen Altersgruppen gleichermaßen entwickeltes Volumen des Hippocampus, der für Emotionen und kognitive Fähigkeiten relevanten Hirnstruktur“, sagt Maura Boldrini von der Columbia University in New York. Die Ergebnisse ihres Forscherteams bedeuten, dass die Denkleistungen des Menschen bis ins hohe Alter erhalten bleiben können, sofern es nicht zu einer neurologischen oder psychischen Erkrankung kommt. Boldrini und ihre Kollegen obduzierten die Gehirne von 28 Menschen, die im Alter zwischen 14 und 79 Jahren plötzlich gestorben waren und bei denen es keine Anzeichen für eine Hirnerkrankung oder psychische Störung gegeben hatte.

Im Hippocampus aller Toten fanden die Forscher eine ähnlich große Anzahl unreifer Neuronen und neuraler Vorläuferzellen, die sich aus neuralen Stammzellen entwickeln. Es ergaben sich auch keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Eine genauere Auswertung stimmte gut mit früheren Schätzungen überein, wonach pro Tag im Gyrus dentatus, einem Teil des Hippocampus, etwa 700 neue Neuronen entstehen. Aber das Hirngewebe des Hippocampus älterer Menschen zeigte eine geringere Neubildung von Blutgefäßen, weniger Zellkontakte zwischen den Neuronen und ein kleineres Reservoir an neuralen Stammzellen.

Diese Unterschiede könnten die Anfälligkeit für kognitive und emotionale Störungen erhöhen, sagt Boldrini. Doch aufgrund der anhaltenden Neurogenese wäre es im Prinzip möglich, dass Menschen bis ins achte Lebensjahrzehnt von solchen Beeinträchtigungen verschont bleiben. Weitere Forschungen müssten klären, wie Hormone, körperliche Aktivität und Ernährung das Entstehen, Reifen und Überleben neuer Neuronen im alternden Gehirn beeinflussen. Das würde es erleichtern, Wirkstoffe zu entwickeln, die zu einem gesunden Altern beitragen.

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