Demenz: Fitnessprogramm zeigt keine Wirkung

Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining bremst das Nachlassen kognitiver Fähigkeiten bei Demenzkranken nicht
Aktiv bleiben im Alter ist gesund, kann eine beginnende Demenz aber nicht aufhalten.
Aktiv bleiben im Alter ist gesund, kann eine beginnende Demenz aber nicht aufhalten.
© Antranias / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Oxford (Großbritannien) - Sportliches Training gesunder Menschen nützt auch der geistigen Fitness. Doch das Fortschreiten einer Demenz lässt sich durch regelmäßige körperliche Aktivität offenbar nicht verlangsamen, wie britische Mediziner im Fachblatt „BMJ“ berichten. Ein Ausdauer- und Krafttraining über einen Zeitraum von zwölf Monaten verbesserte zwar die körperliche Fitness, hatte aber keine positiven Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe schnitten die Teilnehmer der Studie, die unter Anleitung ein Sportprogramm absolvierten, bei der Bewertung geistiger Fähigkeiten sogar etwas schlechter ab.

„Das Trainingsprogramm verbesserte weder die kognitiven Fähigkeiten noch verschiedene andere Aspekte der Lebensqualität im Alter“, erklären die Forscher um Sarah Lamb von der University of Oxford. An ihrer Studie beteiligten sich 494 Menschen mit leichter oder mäßig starker Demenz, die im Schnitt 77 Jahre alt waren und noch in ihren eigenen Wohnungen lebten. Eine daraus zufällig ausgewählte Gruppe von 329 Personen nahm zweimal pro Woche für jeweils 60 bis 90 Minuten an einem sportlichen Training teil. Dieses bestand aus Radfahren auf einem Fahrrad-Ergometer und einem Krafttraining für Arme und Beine. Der Schwierigkeitsgrad der Übungen war abgestimmt auf die individuelle körperliche Fitness jedes Einzelnen. Diese sollten sich zusätzlich noch eine Stunde in der Woche daheim sportlich betätigen. Nach vier Monaten beschränkte sich das Übungsprogramm auf 150 Minuten zu Hause. Während dieser Zeit wurden die Männer und Frauen nur noch telefonisch kontaktiert und zur Fortsetzung ihrer Aktivitäten motiviert. Die restliche Gruppe von 165 Menschen erhielt keine Anleitungen zu sportlicher Betätigung und diente als Kontrolle. Lediglich 15 Prozent brachen die Studie vorzeitig ab.

Zu Beginn und nach einem Jahr ermittelten die Forscher durch einen standardisierten Test zur Diagnose von Alzheimer den Schweregrad der Demenz. Dieser Wert verschlechterte sich für die Sportgruppe geringfügig mehr als für die Kontrolle. Die klinische Bedeutung dieses Unterschieds sei allerdings fraglich, schreiben die Autoren. Auch in anderen Teilbereichen der generellen Lebensqualität und Alltagsbewältigung erzielten die sportlich Aktiven keine besseren Resultate – abgesehen von der körperlichen Fitness. Die Forscher schließen nicht aus, dass die viermonatige betreute Trainingsphase zu kurz oder die Art der sportlichen Übungen nicht optimal geeignet gewesen sein könnte, um einen positiven Effekt zu erzielen. Für zukünftige Studien sollte man auch darauf achten, dass bestimmte Trainingsformen für demente Menschen möglicherweise sogar schädlich sind.

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