Positive Einstellung zum Alter senkt Demenzrisiko

Auch Menschen mit genetischer Vorbelastung durch das APOE4-Gen könnten durch eine optimistischere Haltung die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung verringern
Eine positive Einstellung zum Leben hält alte Menschen geistig fit.
Eine positive Einstellung zum Leben hält alte Menschen geistig fit.
© joeannenah, Flickr, Usage Restrictions: CC-BY
New Haven (USA) - Die einen fürchten sich vor dem Alter, die anderen sehen darin auch die positiven Aspekte. Ein solcher Optimismus bietet offenbar einen gewissen Schutz vor einer Demenz, wie amerikanische Forscher jetzt berichten. Sogar die genetisch vorbelasteten Teilnehmer ihrer Studie hatten, wenn sie eine positive Einstellung zu ihrem Alter zeigten, ein nur etwa halb so großes Demenzrisiko wie die Pessimisten mit derselben Vorbelastung. Eine positive Haltung zur bevorstehenden letzten Lebensphase könnte den Stressspiegel senken und so kognitiven Beeinträchtigungen entgegenwirken, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „PLoS ONE“.

„Wir haben herausgefunden, dass positive Einstellungen zum Alter das durch einen starken genetischen Faktor erhöhte Demenzrisiko verringern kann“, sagt Becca Levy von der Yale School of Public Health in New Haven. Diese Befunde sprächen für eine Gesundheitskampagne gegen das negative Bild des Alters, wie es häufig in der Öffentlichkeit vermittelt wird. Träger einer Variante des APOE4-Gens erkranken bekanntlich mit höherer Wahrscheinlichkeit an Alzheimer als andere Menschen. Warum aber etwa die Hälfte dieser genetisch vorbelasteten Personen nicht erkrankt, ist unbekannt. Eine mögliche Erklärung wäre eine unterschiedliche Einstellung zum Alter.

An der Studie beteiligten sich 4765 Männer und Frauen einer repräsentativen Auswahl von US-Amerikanern, die mindestens 60 und im Schnitt 72 Jahre alt waren. Alle zwei Jahre wurden Gedächtnisleistung und mathematische Fähigkeiten überprüft. Zu Beginn der Studie ergaben sich für keinen der Probanden Hinweise auf eine Demenz. Bei 26 Prozent der Testpersonen wurde das APOE4-Gen nachgewiesen. Um die Einstellung zum Alter zu ermitteln, musste jeder Teilnehmer verschiedene Aussagen als mehr oder weniger zutreffend oder nicht zutreffend bewerten, beispielsweise: „Je älter ich werde, desto nutzloser fühle ich mich.“ Für die statistische Auswertung wurden Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Familienstand, Bildungsstand, Tabakkonsum sowie Krankheiten wie Depression, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigt.

Im Verlauf von vier Jahren ergab sich für sämtliche Testpersonen mit positiver Haltung zum Alter ein Demenzrisiko von 2,6 Prozent, für die Pessimisten waren es 4,6 Prozent. In der Gruppe der genetisch vorbelasteten Menschen war der Unterschied mit 2,7 gegenüber 6,1 Prozent noch größer. Im Falle einer kausalen Beziehung hieße das: Selbst die Träger des APOE4-Gens könnten ihr erhöhtes Erkrankungsrisiko durch eine optimistische Einstellung zum Alter stark verringern. Die Forscher bezweifeln das Vorliegen einer umgekehrten Kausalität, dass also eine beginnende Demenz die Einstellung zum Alter negativ beeinflusst. Zum einen, weil diese Haltung mindestens zwei Jahre vor einer Demenzdiagnose abgefragt wurde. Zum anderen, weil die anfangs ermittelten individuellen Denkleistungen bei der Auswertung berücksichtigt worden sind. Außerdem gebe es Anzeichen dafür, dass negative Einstellungen zum Alter Stressreaktionen verstärken, die das Gedächtnis beeinträchtigen. Die Forscher halten es daher für möglich, durch Maßnahmen, die eine positive Haltung zum Alter fördern, kognitive Leistungen verbessern und das Demenzrisiko senken zu können.

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