Darmflora von Mensch und Hund: ähnlicher als gedacht

Ernährungsstudien mit Mäusen oder Schweinen zur Funktion der Darmbakterien sind wahrscheinlich weniger auf den Menschen übertragbar als entsprechende Untersuchungen mit Hunden
Als der Wolf zum Hund wurde, veränderte sich auch seine Ernährung.
Als der Wolf zum Hund wurde, veränderte sich auch seine Ernährung.
© Counselling / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Heidelberg - Die Darmbakterien von Mensch und Hund sind sich überraschend ähnlich. Sie weisen mehr genetische Gemeinsamkeiten auf als die von Mensch und Schwein oder Mensch und Maus. Das ergaben vergleichende Untersuchungen, über die ein deutsch-amerikanisches Forscherteam im Fachblatt „Microbiome“ berichtet. Die Übereinstimmung zeigte sich zum einen in den Listen sämtlicher Gene der Darmflora. Zum anderen veränderte sich das Mikrobiom des Darms nach einer Ernährungsumstellung bei Hunden auf ganz ähnliche Weise wie bei Menschen. Um den Zusammenhang zwischen Darmflora, Ernährung und Gesundheit in Tierversuchen zu erforschen, wären daher mit Hunden erzielte Resultate noch am ehesten auf den Menschen übertragbar.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hunde für Ernährungsstudien besser geeignet sein könnten als Schweine oder Mäuse“, sagt Luis Pedro Coelho vom European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg. Möglicherweise seien Daten aus Studien mit Hunden nützlich, um den Einfluss der Ernährung auf die Darmflora des Menschen zu untersuchen. Aber auch die Tiere könnten von solchen Forschungen profitieren. Denn Schätzungen zufolge sind mehr als die Hälfte der Hunde in westlichen Industrieländern übergewichtig und damit anfälliger für verschiedene Krankheiten. Und die Darmbakterien spielen bei der Nahrungsverwertung und der Kontrolle des Körpergewichts eine wichtige Rolle.

Die Forscher untersuchten 32 Labrador Retriever und 32 Beagle, von denen jeweils eine Hälfte schlank und die andere übergewichtig war. Von zwei Gruppen, die sich gleichermaßen aus schlanken und übergewichtigen Tieren beider Rassen zusammensetzten, erhielt die eine Futter mit hohem Protein- und geringem Kohlenhydratgehalt, die andere Futter mit geringem Protein- und hohem Kohlenhydratgehalt. Vorher sowie vier und acht Wochen später analysierten die Wissenschaftler die gesamte bakterielle DNA, also das Mikrobiom des Darms, aus insgesamt 129 Kotproben. Die Analyse ergab eine Liste von mehr als 1,2 Millionen Genen der Darmflora.

Ein Vergleich mit bekannten Genkatalogen der Darmbakterien von Mensch, Maus und Schwein zeigte die größte Übereinstimmung mit dem Mikrobiom des Menschen – auch in der Reaktion auf eine Ernährungsumstellung. Die Mikrobiome von Mensch und Maus waren sich am wenigsten ähnlich. Beim Wechsel zu einer proteinreichen Kost veränderte sich das Darmmikrobiom schlanker Hunde weniger als das der übergewichtigen. Das entspricht der Annahme, dass eine gesunde Darmflora stabiler ist als eine bei Übergewicht bereits gestörte Darmflora.

Durch das enge Zusammenleben von Mensch und Hund während der Domestizierung hat sich die Ernährung des Hundes der des Menschen teilweise angepasst. Das könnte zu einer Angleichung der Darmflora geführt haben. Doch auch wenn sich Gene und Stoffwechsel der Darmbakterien ähneln, sind die Bakterienstämme im Darm von Mensch und Hund nicht identisch. Ein direkter Austausch von Darmbakterien zwischen Mensch und Haustier wäre also keine Erklärung für die Ähnlichkeit der Mikrobiome.

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