Wirkstoff aus Heilpflanze lässt Fettpolster schmelzen

Behandlung mit Celastrol verringert in kurzer Zeit das Körpergewicht fettleibiger Mäuse – Studien mit Menschen stehen noch aus
Celastrol, ein Wirkstoff aus Wilfords Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii), macht fette Mäuse schlank.
Celastrol, ein Wirkstoff aus Wilfords Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii), macht fette Mäuse schlank.
© Eric Smith
Boston (USA) - Ein Inhaltsstoff aus den Wurzeln einer ostasiatischen Heilpflanze hat sich im Tierversuch als überraschend wirksam bei der Behandlung von Fettleibigkeit erwiesen. Die Verbindung Celastrol verstärkt die Wirkung des Sättigungshormons Leptin und löst dadurch eine schnelle und beträchtliche Abnahme des Körpergewichts aus, berichten amerikanische Forscher im Fachblatt „Cell“. Zwar produzieren die meisten fettleibigen Menschen große Mengen an Leptin, aber bei ihnen hat das Hormon seine Wirksamkeit verloren. Erstmals wurde nun ein lange vergeblich gesuchter Wirkstoff entdeckt, der diese Leptin-Resistenz beseitigen und die gestörte Regulation des Körpergewichts wieder normalisieren könnte. Ob die vielversprechenden Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, muss nun in klinischen Studien geprüft werden.

„Wenn Celastrol bei Menschen genauso wirkt wie bei Mäusen, wäre das ein sehr effektiver Weg, um Fettleibigkeit zu behandeln”, sagt Umut Ozcan vom Boston Children's Hospital, der Leiter der Arbeitsgruppe. In einem aufwändigen molekulargenetischen Screeningverfahren hatten die Forscher aus mehr als tausend Testsubstanzen Celastrol als wirksamste Verbindung identifiziert. Die Substanz verursachte in Leber- und Hirnzellen von Mäusen Veränderungen von Genaktivitäten, die auf eine normale Funktion des Leptins schließen ließen. Celastrol ist in Wurzelextrakten von Wilfords Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii) enthalten. Extrakte dieser Heilpflanze, in denen mehrere pharmakologisch wirksame Substanzen nachgewiesen wurden, werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung von Entzündungen und rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.

Leptin hat eine wichtige Funktion bei der Regulation des Fettstoffwechsels und des Körpergewichts. Das Hormon wird hauptsächlich aus dem Fettgewebe freigesetzt und signalisiert dem Gehirn, dass ausreichende Energiereserven vorhanden sind. Normalerweise löst das im Hypothalamus ein Sättigungsgefühl aus und stoppt die Nahrungsaufnahme. In seltenen Fällen ist eine mangelnde Leptinproduktion die Ursache von Fettleibigkeit. Doch die meisten Fettleibigen haben einen sehr hohen Leptinspiegel im Blut. Aus unbekannten Gründen ist bei ihnen das Hormon unwirksam geworden. Daher suchen Forscher seit zwanzig Jahren nach einer Möglichkeit, diese Leptin-Resistenz rückgängig zu machen.

In Experimenten mit fettleibigen Mäusen, die einen hohen Leptinspiegel zeigen, bewirkte eine einwöchige Behandlung mit Celastrol – oral oder durch Injektionen verabreicht – eine Verringerung der Nahrungsaufnahme um 80 Prozent. Nach der dritten Woche hatten die Tiere durch Abbau von Fettgewebe bis zu 45 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Die Muskelmasse blieb dabei weitgehend erhalten und der Leptinspiegel war auf ein für schlanke Mäuse typisches Niveau gesunken. Bei anderen fettleibigen Mäusen, die kein Leptin oder keine Leptinrezeptoren mehr bilden konnten, sowie bei schlanken Tieren blieb eine Wirkung aus. Das bestätigt, dass der Effekt von Celastrol darauf beruht, die Wirksamkeit von vorhandenem Leptin zu verstärken. Die Behandlung normalisierte auch Cholesterinspiegel, Blutzuckerwerte und Leberfunktion. Schwere Nebenwirkungen waren nicht erkennbar.

Unbeantwortet bleibt zunächst die Frage, auf welche Weise Celastrol die Empfindlichkeit gegenüber Leptin verbessert. Vor einem Einsatz beim Menschen müssen nun Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in klinischen Studien geprüft werden. Die Forscher warnen vor einer Selbstmedikation, da Extrakte der Heilpflanze auch stark giftige Substanzen enthalten. „Es könnte also gefährlich sein“, so Ozcan, „solche Extrakte zu konsumieren, um abzunehmen.“

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