Gesellschaftliche Stellung beeinflusst gesundheitliche Wirkung von Alkohol

Derselbe Alkoholkonsum schädigt Herz und Blutgefäße bei Menschen der Unterschicht mehr als bei denjenigen mit höherem sozioökonomischem Status
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkohol hängen nicht nur von der konsumierten Menge ab.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkohol hängen nicht nur von der konsumierten Menge ab.
© OpenClipart-Vectors / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Oslo (Norwegen) - Wie sich Alkoholkonsum auf die Gesundheit von Herz und Blutgefäßen auswirkt, hängt nicht nur von der Menge des konsumierten Getränks ab. Auch die soziale Stellung spielt dabei eine Rolle, berichten jetzt norwegische Mediziner. So hat zwar jeder, der mäßig viel Alkohol trinkt, ein geringeres Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten als Wenigtrinker. Dieser Zusammenhang ist aber in der oberen Gesellschaftsschicht stärker ausgeprägt als in der unteren. Außerdem erhöht ein sehr häufiger Alkoholkonsum dieses Sterberisiko nur für Menschen der unteren sozioökonomischen Schicht, schreiben die Forscher im Fachblatt „PLoS Medicine“. Demnach verstärken oder verringern möglicherweise unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten und andere Lebensumstände die Wirkung von Alkohol auf Herz und Gefäße. Die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf andere Aspekte der Gesundheit wie zum Beispiel das Krebsrisiko wurden in dieser Studie nicht untersucht.

„Wer allgemeine Empfehlungen zum Alkoholkonsum geben will, muss dabei auch Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen berücksichtigen“, erklären die Wissenschaftler um Eirik Degerud vom Norwegian Institute of Public Health in Oslo. Bevölkerungsgruppen, die in Bezug auf Bildung und Einkommen benachteiligt sind, trinken zwar im Schnitt weniger Alkohol als Bessergestellte. Trotzdem kommt es in der unteren Bevölkerungsschicht zu mehr alkoholbedingten Krankheits- und Todesfällen. Wie die neue Studie zeigt, wirkt sich derselbe Alkoholkonsum je nach sozioökonomischem Status eines Menschen unterschiedlich auf Herz und Blutgefäße aus.

Die Forscher werteten Daten von 207.394 Erwachsenen mittleren Alters aus, die an drei norwegischen Langzeitstudien teilgenommen hatten. Nach Selbstauskunft über ihren Alkoholkonsum wurden die Teilnehmer in mehrere Gruppen eingeteilt. Als „mäßig“ galt ein Alkoholkonsum an zwei bis drei Tagen pro Woche. Knapp 19.000 Personen gaben an, gar keinen Alkohol zu trinken. Die Zuordnung zu einem hohen, mittleren oder unteren sozioökonomischen Status erfolgte aus Informationen über Wohn- und Besitzverhältnisse, Haushaltseinkommen und Bildungsstand. In einem Zeitraum von durchschnittlich 16,6 Jahren starben 8435 Menschen infolge einer Herz- oder Gefäßerkrankung, etwa 2000 davon an einem Schlaganfall. Bei der statistischen Auswertung wurden zusätzliche Angaben wie Geschlecht, Alter, Tabakkonsum, körperliche Aktivität, Body-Mass-Index (BMI), Blutdruck und familiäre Vorbelastung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigt.

Insgesamt hatten Menschen mit mäßigem Alkoholkonsum im Vergleich zu denen, die höchstens einmal pro Woche Alkohol tranken, ein um 22 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz- oder Gefäßkrankheit zu sterben. Bei denen aus der oberen Gesellschaftsschicht erhöhte sich dieser Wert auf 34 Prozent. Ein Alkoholkonsum an vier bis sieben Tagen pro Woche war nur bei Menschen der unteren Gesellschaftsschicht mit einem – und zwar um 42 Prozent – erhöhten Sterberisiko verbunden. Die je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedliche Alkoholwirkung könnte auf Unterschieden im generellen gesundheitsbewussten Verhalten beruhen. So verbinden wahrscheinlich Menschen aus benachteiligten Gesellschaftsschichten den Konsum von Alkohol häufiger als die anderen mit Rauchen und dem Verzehr von Junkfood. Die sozioökonomisch Bessergestellten könnten durch gesündere Ernährung die schädlichen Wirkungen des Alkohols verringern. Das zeigt: Schlussfolgerungen aus Studien zum Alkoholkonsum bei Menschen der Ober- und Mittelschicht sollten nicht direkt auf die untere Bevölkerungsschicht übertragen werden.

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