Hören Schmetterlinge den Feind?

Der Hörbereich einiger Insekten würde es ermöglichen, Fluggeräusche anfliegender Vögel wahrzunehmen
Mit seinem Hörorgan könnte der Blaue Morphofalter (Morpho peleides) heranfliegende Vögel wahrnehmen.
Mit seinem Hörorgan könnte der Blaue Morphofalter (Morpho peleides) heranfliegende Vögel wahrnehmen.
© Bilboq / Wikimedia, Public domain
Ottawa (Kanada) - Für Insekten wäre es vorteilhaft, heranfliegende Vögel rechtzeitig zu hören, um dann flüchten zu können. Schmetterlinge, Grillen und Zikaden verfügen über Hörorgane, die diese Wahrnehmung prinzipiell möglich machen. Kanadische Biologen haben jetzt erstmals nachgewiesen, dass Hörnerven von Schmetterlingen tatsächlich auf Fluggeräusche insektenfressender Vögel reagieren. Ob aber die Insekten diese Fähigkeit in der Natur auch wirklich zu ihrem Schutz nutzen, müssen weitere Experimente erst noch zeigen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Biology Letters“.

„Wir liefern Beweise dafür, dass Insektenohren als ‚Vogel-Detektoren’ dienen könnten“, erklären Jayne Yack und ihre Kollegen von der Carleton University in Ottawa. Die Biologen zeichneten zunächst die Geräusche von zwei Vogelarten beim Anflug auf ihre Beute auf. Der Weißbauch-Phoebetyrann (Sayornis phoebe) fängt Insekten im Flug, die Schwarzkopfmeise (Poecile atricapillus) pickt sie auch von Oberflächen ab. Beide Vögel erzeugten durch Flügelschlagen Töne in ähnlichen Frequenzbereichen. Dabei fällt der Bereich von 18 bis 20 Hertz mit dem Frequenzspektrum zusammen, das vom Hörorgan der Schmetterlinge wahrgenommen werden kann. Dies zeigten Messungen an Hörnervenzellen eines Nachtfalters, der Aschgrauen Höckereule (Trichoplusia ni), und des tropischen Blauen Morphofalters (Morpho peleides). Die Nervenzellen ließen sich durch die Wiedergabe der zuvor aufgenommenen Fluggeräusche aktivieren. Aufgrund der gemessenen Lautstärken dieser Töne und der Hörschwelle der Insektenohren schließen die Forscher, dass die Schmetterlinge die Vögel spätestens ab einer Entfernung von 2,5 Metern registrieren können.

Ob die Insekten die Fluggeräusche nicht nur hören, sondern auch als Warnsignale nutzen, können nur Verhaltensexperimente endgültig klären. Bestätigt sich diese Vermutung, dann stelle sich eine naheliegende weitere Frage, so die Autoren: Haben einige Vögel im Lauf der Evolution Gegenmaßnahmen entwickelt, um ihre Fluggeräusche so zu verändern, dass sie von ihrer Beute nicht mehr wahrgenommen werden? Von dieser Strategie profitieren bekanntlich einige Eulenarten: Sie fliegen fast lautlos durch die Nacht, so dass ihre Beute, die hauptsächlich aus kleinen Wirbeltieren besteht, kaum eine Fluchtchance hat.

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