Gestörte Darmflora in der Schwangerschaft kann dem Kind schaden

Ein durch Antibiotika verändertes Artenspektrum der Darmbakterien kann sich auf das Neugeborene übertragen, so dass dessen Anfälligkeit für Darmentzündungen steigt
Eine gestörte Darmflora ist eine Ursache von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Eine gestörte Darmflora ist eine Ursache von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
© MeDitorial, MUDr. Tomáš Šebek / Creative Commons (CC BY 3.0), https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en
New York (USA) - Wenn Frauen während der Schwangerschaft Antibiotika einnehmen, schädigen sie die eigenen Darmbakterien. Dadurch können sie anfälliger für Darmentzündungen werden. Die gestörte Darmflora kann sich sogar von der Mutter auf das Kind übertragen. Damit erhöht sich auch dessen Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Das schließen amerikanische Mikrobiologen aus Experimenten mit Mäusen. Die „Vererbung“ eines Krankheitsrisikos beruhe in diesem Fall nicht auf der Weitergabe von Genen der Eltern, sondern auf der Übertragung mütterlicher Darmkeime während der Geburt, schreiben die Forscher im Fachjournal „Nature Microbiology“.

„Unsere Studie zeigt, dass durch Antibiotika bewirkte Veränderungen des Mikrobioms von Müttern auf ihren Nachwuchs übertragen werden können“, sagt Martin Blaser von der New York University. „Diese Ergebnisse sind vor allem deshalb wichtig, weil viele junge Frauen vor und während der Schwangerschaft Antibiotika einnehmen.“ Das könne langfristig der Gesundheit des Kindes schaden. Denn bestimmte Populationen von Mikroben im Darm sind nötig, damit sich Immunsystem und Stoffwechsel normal entwickeln können. Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass sich für Kinder, die mit Antibiotika behandelt worden sind, das Risiko für entzündliche Darmkrankheiten erhöht.

Um eindeutige Ergebnisse zu erzielen, wählten die Forscher einen relativ komplexen Versuchsablauf: Sie verabreichten Mäusen bis zum Alter von 18 Wochen gering dosiertes Penicillin mit dem Trinkwasser. Dann leiteten sie Proben des Darminhalts über eine Magensonde in den Darm von trächtigen, keimfrei aufgezogenen Weibchen. Als Kontrolle dienten Weibchen, die Darminhalt von nicht antibiotisch behandelten Tieren erhielten. Das Penicillin hatte das Artenspektrum der Bakterien im Darm der Spendertiere dauerhaft verringert und im Darm der Empfängertiere blieb diese gestörte Darmflora erhalten. Aber auch die Jungen dieser Weibchen zeigten nach der Geburt mehrere Monate lang Merkmale einer im Vergleich zu den Kontrollen veränderten Darmflora. Schließlich wiederholten die Biologen das Experiment mit keimfreien trächtigen Mäusen, die aufgrund eines defekten Gens mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Darmentzündung erkranken, wenn ihr Darm von Bakterien besiedelt wird. Wurde diesen Tieren antibiotisch geschädigte Darmflora übertragen, entwickelten ihre Jungen 55-fach stärkere Anzeichen einer entzündlichen Darmerkrankung als diejenigen, deren Mütter normale Darmkeime erhalten hatten.

Zwar wäre es einfacher gewesen, normale trächtige Mäuse mit Penicillin zu behandeln und dann die Darmflora der Nachkommen zu analysieren. Aber dann hätte man einen direkten Einfluss des Antibiotikums auf die ungeborenen Mäuse nicht ausschließen können. Bei dem gewählten Versuchsansatz war sichergestellt, dass allein die veränderte Darmflora und nicht das Antibiotikum für den gesundheitsschädlichen Effekt auf den Darm der Jungen verantwortlich war. Das zeige, dass sich die Folgen der Penicillinbehandlung auf die nächste Generation übertragen hatten, so die Autoren. Neben dieser Form der „Erblichkeit“ beeinflussen auch menschliche Gene die Wahrscheinlichkeit einer entzündlichen Darmerkrankung.

Wie vergleichende DNA-Analysen der Darmflora ergaben, führte die antibiotische Behandlung dazu, dass einige Mikroben ganz eliminiert wurden, die Populationsgrößen mancher Bakterienarten stark abnahmen, während die Keimzahlen anderer Spezies anstiegen. Weitere Arbeiten müssen nun zeigen, welche dieser Arten tatsächlich eine schützende und welche eine schädliche Wirkung für den Darm haben.

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