Im Ernst

Seitwärts, bitte!

Von Joachim Czichos


Seitwärts bewegt sich der Mensch eher selten. Auch im Tierreich ist diese Gangart nur wenig verbreitet. Verschiedene Krebse tun es - angeblich weil ihr Körper breiter ist als lang. Wegen der dadurch gedrängten Anordnung ihrer zahlreichen Beine können sie sich schneller nach rechts oder links bewegen als geradeaus zu stolpern. Durch das Seitwärtsgehen haben sie eine bessere Chance, ihren Feinden zu entwischen. Auch einige Wüstenschlangen - obwohl eindeutig länger als breit und nicht fähig, über Beine zu stolpern - benutzen eine seitwärts windende Bewegung zur schnellen Flucht über den heißen Sand. Menschen dagegen - ganz gleich ob breiter als lang oder länger als breit - sieht man höchst selten seitwärts gehen und schon gar nicht, wenn's schnell gehen soll.

An der Börse wiederum ist die Seitwärtsbewegung häufig zu beobachten - weniger bei den Börsianern, von denen es sowohl breite als auch lange Exemplare gibt - als vielmehr bei den Wertpapierkursen. Ein Kurs, der weder fällt noch steigt, bewegt sich seitwärts. Stillstand gibt es nicht. Vielleicht sollten wir uns daran mal ein Beispiel nehmen: Sich seitwärts bewegen anstatt nicht voranzukommen. Stagnierendes Einkommen oder Nullwachstum auch auf anderen Gebieten wären dann nur Spielarten von Seitwärtsbewegungen. Vielleicht ginge überhaupt alles viel besser, wenn wir uns in jeder Hinsicht einfach mehr seitwärts bewegen würden. Solange bis es wieder aufwärts geht, versteht sich.


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