Im Ernst

Klonerie

Manche klonen, ohne es zu wissen


von Joachim Czichos

Ich klone regelmäßig. Seit Jahren schon. Der Herbst ist die günstigste Jahreszeit dafür. Lange bevor das Thema in die Schlagzeilen gelangt ist, hatte ich bereits damit angefangen. Dabei war mir zunächst gar nicht bewusst, was ich da eigentlich tat. Ich habe auch nie ein großes Aufheben darum gemacht. Schließlich klonte ich ja nur für den Eigenbedarf. Daher halte ich von einem generellen Klonverbot natürlich gar nichts. Nur in bestimmten Fällen wäre es vielleicht wirklich angebracht, die Erzeugung genetisch identischer Kopien von Lebewesen zu verbieten. Es gibt schließlich welche, die sind in einfacher Ausführung schon eine Zumutung.

Ich habe das Klonen immer ganz offen praktiziert. Die Technik war schnell gelernt. Angefangen hatte es damit, dass mich mein Opa dazu anstiftete, Freilandversuche mit Fragaria ananassa durchzuführen. Wenn Greenpeace damals dahinter gekommen wäre, die hätten wahrscheinlich in einer Nachtaktion unseren ganzen Garten umgepflügt. Dabei waren wir nicht die einzigen, die in jedem Frühherbst klonten, indem wir die Ausläufer unserer Erdbeeren in neue Beete pflanzten. Solche Klone verbessern die Ernte im nächsten Jahr. Dass es Früchte von geklonten Pflanzen waren, ist aber nie jemandem aufgefallen. Und unser Nachbar, der immer als erster kosten musste, hat sie stets gut vertragen. Über 80 ist der geworden.

Übrigens: Meine Mutter klont sogar öfter im Jahr. Bei vielen Zimmerpflanzen ist das gar kein Problem. Also, ich verstehe diese ganze Diskussion um das Für und Wider des Klonens überhaupt nicht. Solange es schmeckt oder gut aussieht - warum nicht?

Ihre Meinung dazu direkt an den Autor: Joachim Czichos


 

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