Im Ernst

Luftbrücke für den Laubfrosch

Von Joachim Czichos


Es gibt Frösche, die weigern sich einfach, Amphibientunnel zu benutzen. Unser Laubfrosch ist so einer. Selber schuld, könnte man sagen. Aber er steht schließlich unter Naturschutz, muss also geschützt werden, ob er will oder nicht. Nun gibt es ja auch Menschen, die keine Unterführungen benutzen und es bevorzugen, überirdisch über die Straße zu sprinten. Die kann man direkt fragen, warum sie das tun - zumindest diejenigen, die dieses Verhalten bisher noch nicht mit dem Leben bezahlt haben. Der Laubfrosch dagegen hat seine ablehnende Haltung gegenüber dem Krötentunnel bisher noch nicht erläutert. Es heißt, er meide die dunklen, stickigen Röhren, weil es nun einmal seine Art wäre, in Baum und Strauch herumzuklettern - wie ja auch sein Name Hyla arborea bereits sagt. Daher würde er eine oberirdische Route über den Asphalt bevorzugen. So ein Tunnel wäre für ihn einfach nicht artgerecht.

Vielleicht mag er ja auch die Erdkröten nicht, die zu den häufigsten Tunnelpassanten zählen. Die transpirieren möglicherweise fürchterlich. Und außerdem: Wenn auf halbem Weg einige dieser dicken Kröten stecken bleiben, so dass sie weder vor noch zurück können - wie leicht könnte dann eine Panik ausbrechen! Und da hätte der Laubfrosch als einer der kleinsten Tunnelbenutzer sehr schlechte Karten.

Als Lösung des Problems würde sich eine Luftbrücke anbieten. Eine grazile Holzkonstruktion, über die sich die Fröschlein artgerecht auf die andere Straßenseite hinüberhangeln könnten. Solange zumindest, bis die Störche, Krähen und Greifvögel davon Wind bekommen.



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