Vitamin D wirkt auf zahlreiche Gene

Das Vitamin verbindet sich mit einem Rezeptor, der die Aktivität von mehr als 200 Genen des menschlichen Erbguts beeinflusst und damit von weit reichender Bedeutung für die Gesundheit ist
Oxford (Großbritannien) - Vitamin D sorgt nicht nur für gesunde Knochen, sondern wirkt auch vorbeugend gegen Krebs- und Autoimmunerkrankungen. Eine genetische Analyse britischer und kanadischer Forscher hat jetzt gezeigt, worauf diese breite Wirkung des Vitamins beruht: Sie identifizierten mehr als 200 Gene im menschlichen Genom, deren Aktivität durch Vitamin D gesteuert wird. Von vielen dieser Gene ist bekannt, dass sie die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten beeinflussen. Menschen der gemäßigten Breiten bilden wegen mangelnder Sonneneinstrahlung oft zu wenig Vitamin D in der Haut. Für sie könnten Vorsorgemaßnahmen sinnvoll sein, die einem Vitamin D-Mangel entgegenwirken, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Genome Research".

"Unsere Ergebnisse zeigen ganz dramatisch, welchen weit reichenden Einfluss Vitamin D auf unsere Gesundheit hat", sagt Andreas Heger vom Medical Research Council in Oxford. Er und seine Kollegen haben zusammen mit kanadischen Forschern und Mitarbeitern des Wellcome Trust Centre for Human Genetics geprüft, welche Gene des menschlichen Erbguts durch Vitamin D in ihrer Aktivität verändert werden. Dazu identifizierten sie mit einer neuen DNA-Sequenziertechnik sämtliche Stellen im Genom, an die das Vitamin D-Rezeptorprotein ankoppeln kann. Dieser Rezeptor wird durch das Vitamin aktiviert und reguliert durch seine Bindung an einen bestimmten DNA-Abschnitt im Bereich eines Gens dessen Aktivität.

Insgesamt fanden die Forscher 2776 Bindungsstellen des Vitamin D-Rezeptors im Bereich von 229 Genen. Viele dieser Gene haben einen Einfluss auf das Risiko von Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Lupus und Typ-1-Diabetes sowie von Krebserkrankungen wie chronische lymphatische Leukämie und Kolorektalkarzinom. Ein Mangel an Vitamin D könnte die Bindung des Rezeptors an die Gene schwächen und dadurch solche Krankheiten begünstigen. Die Hauptmenge an Vitamin D entsteht durch Einwirkung des Sonnenlichts in der Haut. Wer nicht genügend Zeit im Freien verbringt, produziert zu wenig dieses Vitamins und schwächt damit seine Gesundheit auf vielfache Weise. Es seien Studien nötig, so die Forscher, die untersuchen, ob Vorsorgemaßnahmen sinnvoll sind, um einen Vitamin D-Mangel zu verhindern.

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Quelle: "A ChIP-seq defined genome-wide map of vitamin D receptor binding: associations with disease and evolution", Sreeram Ramagopalan et al.; Genome Research, Online-Publikation, doi:10.1101/gr.107920.110


 

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