Lokale Immuntherapie verbessert Erfolg der Krebs-OP

Ein nach der Tumorentfernung in der Wunde platziertes Hydrogel setzt immunstimulierende Wirkstoffe frei, die ein späteres erneutes Krebswachstum verhindern
Das therapeutisch genutzte Hydrogel ist von relativ fester Konsistenz, so dass es leicht mit einer Pinzette in die Wunde eingebracht werden kann.
Das therapeutisch genutzte Hydrogel ist von relativ fester Konsistenz, so dass es leicht mit einer Pinzette in die Wunde eingebracht werden kann.
© C.G. Park et al., Science Translational Medicine (2018)
Boston (USA) - Nach der chirurgischen Entfernung eines Tumors kommt es später oft zu erneutem Krebswachstum, da nicht sämtliche Krebszellen beseitigt worden sind. Amerikanische Mediziner haben jetzt in Tierversuchen erfolgreich ein neues Verfahren getestet, das dieses Risiko stark verringert. Sie entwickelten ein biologisch abbaubares Gel mit eingelagerten immunstimulierenden Wirkstoffen. Dieses legten sie in die Operationswunde von Mäusen – unmittelbar nachdem diesen ein Brustkrebstumor entfernt worden war. Die aus dem Gel über einen längeren Zeitraum freigesetzten Substanzen aktivierten die angeborene und die erworbene Immunabwehr. Das verhinderte ein Wachstum neuer Tumoren. Der Erfolg dieser Behandlung beruhe darauf, dass die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit am richtigen Ort wirksam werden können, schreiben die Mediziner im Fachblatt „Science Translational Medicine“.

„Bei 40 Prozent aller operierten Tumorpatienten kommt es innerhalb von fünf Jahren zu erneutem Krebswachstum“, sagt Michael Goldberg vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, der Leiter des Forscherteams. Es habe sich herausgestellt, dass während des natürlichen Prozesses der Wundheilung die Immunabwehr im Bereich der OP-Wunde unterdrückt ist, was die Vermehrung der dort verbliebenen Krebszellen erleichtert. Durch eine gezielt an diesem Ort wirksame Immuntherapie konnten die Forscher die Aktivität des Immunsystems gegen die Krebszellen verstärken. Für ihre Experimente nutzten sie Mäuse mit Brustkrebstumoren, die zehn Tage nach einer Injektion von Krebszellen gewachsen waren und chirurgisch entfernt wurden.

In die Wunde legten die Mediziner vor dem Verschließen ein Hydrogel aus polymerisierter Hyaluronsäure, das immunstimulierende Wirkstoffe enthielt, insbesondere solche, die die Interferonproduktion ankurbelten. Das natürliche Biopolymer war gut verträglich und wurde innerhalb von zwölf Wochen vollständig abgebaut. Die darin gebundenen, nach und nach freigesetzten Substanzen aktivierten dendritische Zellen, die Teil der angeborenen Immunabwehr sind. Dadurch wurden indirekt auch T-Zellen stimuliert, die zur erworbenen Immunabwehr gehören. Die Aktivierung beider Arme des Immunsystems zerstörte restliche Krebszellen des Primärtumors und verhinderte die Entwicklung von Metastasen in der Lunge.

Diese Form der Immuntherapie war effektiver und verträglicher als wiederholte Injektionen derselben Wirkstoffe. Ohne Einsatz des Hydrogels lebten 80 Tage nach der OP aufgrund des Wachstums von Metastasen nur noch weniger als zehn Prozent der Mäuse. Mit dem Gel lag die Überlebensrate bei mehr als 60 Prozent. Eine Injektion von Brustkrebszellen nach erfolgreicher Therapie führte nicht mehr zur Tumorbildung. Offenbar hatten sich Gedächtniszellen gebildet, die eine effektive Abwehr dieser Krebszellen ermöglichten. Das neue Verfahren erwies sich auch bei Lungen- und Hauttumoren als erfolgreich. Schädliche Nebenwirkungen waren nicht erkennbar.

Die neue Technik sei bei jedem soliden Tumor einsetzbar, der chirurgisch entfernt werden kann, sagt Goldberg. Über das Gel könnten auch immuntherapeutische Wirkstoffe lokal verabreicht werden, die bei intravenöser Gabe zu starke Nebenwirkungen hätten. Mit ersten klinischen Studien sei „in nicht allzu ferner Zukunft“ zu rechnen.

© Wissenschaft aktuell
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