Mini-Studie: Warum Raucher schlanker bleiben

Rauchen vor dem Essen verringert die Kalorienaufnahme – möglicherweise vermittelt durch das appetitregulierende Hormon Ghrelin
Die drohende Gewichtszunahme hält insbesondere Frauen davon ab, mit dem Rauchen aufzuhören.
Die drohende Gewichtszunahme hält insbesondere Frauen davon ab, mit dem Rauchen aufzuhören.
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London (Großbritannien) - Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt meist zu. In einer kleinen Studie haben griechische Forscher jetzt erste Hinweise auf einen biochemischen Mechanismus gefunden, der das erklären könnte. Raucher, die kurz vor dem Essen rauchten, nahmen weniger Kalorien zu sich als Raucher, die das nicht taten. Außerdem beeinflusste das Rauchen den Blutspiegel des appetitanregenden Hormons Ghrelin. Das spricht dafür, dass Ghrelin eine wichtige Rolle bei der Zunahme des Körpergewichts nach Nikotinentzug spielen könnte. Ließe sich dieser Nebeneffekt des Entzugs verhindern, wäre die Bereitschaft zu einer Entwöhnung wohl größer und die Rückfallquote geringer, erklärten die Wissenschaftler auf dem diesjährigen Internationalen Kongress der European Respiratory Society in London.

„Wir haben herausgefunden, dass es einen akuten Effekt des Rauchens auf die Kalorienzufuhr gibt, der durch Veränderungen des Ghrelinspiegels zustande kommen könnte“, sagte Konstantina Zachari von der Harokopio-Universität in Athen. Allerdings müsse dieses Ergebnis zunächst durch größere Studien bestätigt werden. Im Verlauf von fünf Jahren nach einem Nikotinentzug sei mit einer Gewichtszunahme von durchschnittlich zehn Kilogramm zu rechnen. Das würde viele Menschen – hauptsächlich Frauen – davon abhalten, dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören.

Die Studie untersuchte Kurzzeiteffekte des Nikotinkonsums und einer vorübergehenden Abstinenz. Daran beteiligten sich 14 männliche Raucher, die seit etwa zehn Stunden weder geraucht noch etwas gegessen hatten. Die Hälfte der Teilnehmer rauchte in 15 Minuten zwei Zigaretten, die anderen simulierten in dieser Zeit das Rauchen mit nicht angezündeten Zigaretten. Nach einer Pause von 45 Minuten durfte sich jeder nach Belieben an einer Auswahl verschiedener Snacks bedienen. Über einen Zeitraum von 150 Minuten machten die Probanden dann Angaben zu ihrem momentanen Hunger- und Sättigungsgefühl. Außerdem wurden Blutproben entnommen, um den Gehalt an Ghrelin, Insulin und anderen Hormonen zu ermitteln.

Wer vor dem Essen Zigaretten geraucht hatte, nahm im Schnitt 152 Kalorien weniger zu sich als die anderen. Beide Gruppen unterschieden sich nicht darin, ob die Probanden eher süße oder salzige Speisen auswählten. Auch Unterschiede im Sättigungsgefühl gab es nicht. Trotzdem wirkte sich der Nikotinkonsum auf den Ghrelinspiegel aus, nicht aber auf die Werte für die anderen Hormone. Es müsse jetzt geprüft werden, so Zachari, ob es neben Ghrelin noch weitere Faktoren gibt, die die Regulation des Körpergewichts nach einem Nikotinentzug beeinflussen.

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