Gassi gehen im Alter wirksamer als Sport

Ältere Hundebesitzer sind körperlich aktiver als gleichaltrige Menschen ohne Hund – besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei Regen und kühlen Temperaturen
Ein Hund hält Herrchen oder Frauchen fit.
Ein Hund hält Herrchen oder Frauchen fit.
© Antranias / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Norwich (Großbritannien) - Es ist wichtig aber schwierig, ältere Menschen zu körperlicher Aktivität anzuregen. Oft dient das Wetter als Vorwand, nicht zu einem Spaziergang aus dem Haus zu gehen. Schlechtes Wetter lässt sich nicht ändern. Aber wer sich um einen Hund kümmern muss, dreht auch bei Regen noch eine Runde. Auf diese Weise trägt ein Hund wahrscheinlich mehr zur Gesundheit im Alter bei als ärztliche Ermahnungen oder die Teilnahme an Sportkursen für Senioren, berichten britische Forscher im „Journal of Epidemiology and Community Health“. Ihrer Studie zufolge bewegen sich Hundebesitzer selbst bei nasskalter Witterung noch mehr, als es Gleichaltrige ohne Hund bei bestem Wetter tun.

Wer Menschen dazu bringen will, körperlich aktiver zu werden, sollte das nicht nur mit dem Nutzen für deren Gesundheit begründen, sagt Andy Jones von der University of East Anglia in Norwich, der Leiter des Forschungsprojekts. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig eine Motivation durch äußere Faktoren ist – in diesem Fall die Notwendigkeit, auch bei schlechtem Wetter mit dem Hund rauszugehen.“ An der Studie beteiligten sich 3123 Menschen aus der Grafschaft Norfolk im Alter von 49 bis 91 Jahren. Davon waren 573 Hundebesitzer, von denen zwei Drittel mindestens einmal am Tag mit dem Tier Gassi gingen. Die Testpersonen erhielten jeweils einen sogenannten Aktometer, der eine Woche lang tagsüber am Körper getragen wurde und sämtliche Bewegungsaktivitäten registrierte. Eine Wetterstation lieferte meteorologische Daten für jeden Tag des Untersuchungszeitraums. Die statistische Auswertung berücksichtigte Alter, Geschlecht, selbst beurteilte generelle Gesundheit und Bildungsstand.

Je schlechter das jeweilige Wetter, umso deutlicher war der Zusammenhang zwischen Hundebesitz und körperlicher Aktivität. Bei ungünstigsten Wetterbedingungen hatten die täglichen Gassigeher 20 Prozent höhere Aktivitätswerte und verbrachten pro Tag im Schnitt 30 Minuten weniger sitzend als die anderen. „Das Ausmaß dieser Unterschiede hat uns wirklich überrascht“, sagt Erstautor Yu-Tzu Wu. Wie ein Vergleich mit anderen Studien zeige, seien die Auswirkungen des regelmäßigen Gassigehens größer als die Teilnahme an speziellen Trainingskursen für ältere Menschen, sagt Jones. Die Möglichkeit einer umgekehrten Kausalität kann jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden: Es ist denkbar, dass sich körperlich aktivere Menschen eher einen Hund anschaffen. In diesem Fall wäre der Hundebesitz nicht die Ursache sondern die Folge größerer körperlicher Fitness. Um die vermutet ursächliche Beziehung zu bestätigen, seien „Vorher-Nachher-Studien“ nötig: Die körperliche Fitness von Testpersonen müsste sich nach dem Kauf eines Hundes verbessern.

Aber auch wenn erwiesen wäre, dass das Gassigehen tatsächlich Aktivität und Gesundheit fördert, könne man nicht jedem älteren Menschen einen Hund empfehlen, da sich nicht jeder um ein solches Haustier kümmern kann, schreiben die Forscher. Denkbar wäre aber, dass Organisationen oder städtische Behörden solchen Mitbürgern die Möglichkeit verschaffen, regelmäßig einen Hund auszuführen. Manche Hundehalter, die nicht genügend Zeit mit ihrem Haustier verbringen können, wüssten eine derartige Hilfe zu schätzen. Dann, so die Autoren, könnten Ärzte, die sich um die körperliche Fitness von Patienten sorgen, anstelle von sportlichem Training auch Gassigehen „verordnen“.

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