Underdogs: Erfolg durch Kreativität

Schon das Lesen der Lebensgeschichte eines Menschen, der trotz nachteiliger Ausgangsbedingungen sein Ziel erreicht hat, stimuliert die Kreativität
Manchmal siegt der Schwächere.
Manchmal siegt der Schwächere.
© Alexas_Fotos / pixabay.com, CC0 1.0 Universell (CC0 1.0), https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de
Conway (USA) - Es gibt den Siegertyp und den ewigen Verlierer. Und es gibt den Underdog, der trotz schlechter Voraussetzungen die Herausforderung sucht und Erfolg hat. Diesen Erfolg verdankt er nicht nur einer starken Motivation, sondern auch einer im Vergleich zu den Konkurrenten größeren Kreativität. Einen solchen Zusammenhang bestätigt nun eine Studie amerikanischer Psychologen, deren Ergebnisse das Fachblatt „Thinking Skills and Creativity“ präsentiert. Demnach bewirkt bereits die Lektüre eines kurzen Textes über den Lebensweg eines erfolgreichen Underdogs ein besseres Abschneiden in einem Kreativitätstest. Wahrscheinlich fördern ungünstige Ausgangsbedingungen und große Hindernisse auf dem Weg zum Ziel das kreative Denken.

„Unsere Studie trägt zum Verständnis von Kreativität bei, indem sie eine alternative Rahmenbedingung beschreibt, die Kreativität fördert“, schreiben die Forscher um JongHan Kim von der Coastal Carolina University in Conway. Sie untersuchten die Bedeutung von kreativem Denken für den Erfolg eines Menschen, sei es im Beruf oder im Sport. Dabei verglichen sie den benachteiligten Underdog mit dem typischen Erfolgsmenschen, der es gewöhnt ist, zu gewinnen und seine Ziele aufgrund günstiger Umstände leichter als andere erreicht. Ein Underdog war ursprünglich ein Hund, der im Zweikampf unterlag. Für ihre Studie bezeichnen die Autoren so einen Menschen, der trotz geringer Erfolgsaussichten die Herausforderung sucht und beharrlich mit denen konkurriert, die über bessere Voraussetzungen verfügen. Das unterscheidet ihn vom ebenfalls minderbemittelten Loser, der es aufgegeben hat, in Konkurrenz mit anderen irgendetwas zu erreichen. Dem Underdog mangelt es an Stärke, Status, Geld, Intelligenz oder guten Kontakten. Diese nachteilige Situation, so die Hypothese, könnte die Kreativität anregen, so dass dadurch das gesetzte Ziel doch erreicht wird.

An der Studie beteiligten sich 61 Studenten, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. In der einen Gruppe las jeder für sich eine kurze Geschichte über das erfolgreiche Leben eines Underdogs. Die anderen lasen einen Text desselben Autors über den Werdegang von Bill Gates, der als Beispiel für einen Siegertyp diente. Mit einem daran anschließenden psychologischen Test ermittelten die Forscher Kreativitätswerte für jeden Probanden. So sollten sie beispielsweise aufzählen, was man alles mit einem Ziegelstein machen kann. Für die Auswertung spielte sowohl die Anzahl der genannten Ideen als auch deren Verschiedenartigkeit eine Rolle. Den Studenten gefiel die Underdog-Geschichte besser als die Bill-Gates-Story.

Die Underdog-Gruppe schnitt bei den Kreativitätstests deutlich besser ab. Offenbar bewirkte schon die Anteilnahme an der Erfolgsgeschichte eines Underdogs, dass sich die kreativen Einstellungen der beschriebenen Person irgendwie auf den Leser übertrugen. Nach Ansicht der Psychologen spricht dieses Ergebnis dafür, dass die schwierigen Umstände und negativen Erfahrungen in der Situation des Underdogs zu kreativen Problemlösungen anregen. Sich auf seine Kreativität zu verlassen, so die Autoren, könnte die beste Methode des Underdogs sein, um mit einem Siegertyp erfolgreich zu konkurrieren.

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