Krebs-Medikament hilft Mäusen gegen Alzheimer

Grundlagenforschung: Typische krankhafte Veränderungen im Gehirn sowie Verhalten bessern sich innerhalb von Tagen
Cleveland (USA) - Ein bereits seit Jahren zugelassenes Hautkrebs-Mittel hat eine erfreuliche Nebenwirkung: Es hilft gegen Alzheimer. Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit vermindert es eine ganze Reihe charakteristischer Symptome der neurodegenerativen Erkrankung. Diese vielversprechende Entdeckung haben US-Forscher in Experimenten mit genetisch veränderten Mäusen gemacht, die eine mit Alzheimer vergleichbare Verfassung zeigen. Die Nager erholten sich nicht nur rasch von Wahrnehmungs- und Verhaltens-Defiziten, berichten die Wissenschaftler in „Science“. Auch die für Alzheimer typischen Eiweiß-Ablagerungen aus Beta-Amyloid im Gehirn – eines der zentralen Anzeichen der Demenzerkrankung – reduzierten sich massiv nach der Gabe des Wirkstoffs. Schon 72 Stunden nach der Behandlung mit Bexaroten waren mehr als die Hälfte der Plaques beseitigt. Die Mäuse zeigten zudem rasch positive Verhaltensänderungen.

Bisher wissen die Wissenschaftler allerdings lediglich, dass das Medikament im Maus-Modell der Erkrankung vielversprechende Ergebnisse zeigt. „Unser nächstes Ziel ist, zu ermitteln, ob es beim Menschen ähnlich gut funktioniert“, erklärt Gary Landreth von der Case Western Reserve University School of Medicine, der Seniorautor der Studie. „Wir sind noch in einem frühen Stadium, diese Entdeckung aus der Grundlagenforschung in eine Behandlung umzusetzen.“ Günstig für die Forscher: Bexaroten ist bereits seit Jahren zugelassen und gilt als ein Medikament mit gutem Sicherheits- und Nebenwirkungs-Profil. Daher hoffen Landreth und seine Kollegen, dass diese positiven Eigenschaften klinische Studien zur Einsatzfähigkeit bei Alzheimer-Patienten beschleunigen werden.

„Das ist ein noch nie dagewesener Befund“, sagt Erstautorin Paige Cramer von der Case Western Reserve School of Medicine. „Bisher benötigten die besten vorhandenen Behandlungen von Alzheimer bei Mäusen mehrere Monate, um die Ablagerungen im Gehirn zu reduzieren.“ In jedem Gehirn entsteht Beta-Amyloid, doch bei gesunden Menschen wird die Substanz mithilfe von Enzymen und Eiweißstoffen abgebaut. Cramer und ihren Kollegen war bekannt, dass der Wirkstoff Bexaroten bestimmte, an diesem Prozess beteiligte Eiweißstoffe aktiviert und somit rein theoretisch diesen Abbau verstärken könnte. Daher untersuchten sie in einer Reihe von Versuchen mit genetisch veränderten Mäusen, welche Alzheimer ähnliche Beschwerden entwickeln, ob das Mittel bei Alzheimer hilft.

Verblüffend war für die Forscher insbesondere die Geschwindigkeit, mit der Bexaroten Gedächtnisprobleme und Verhalten der behandelten Alzheimer-Mäuse verbesserte und die krankhaften Ablagerungen im Hirn reduzierte: Nach nur 6 Stunden war die Menge an Beta-Amyloid bereits rapide gesunken. Nach 24 Stunden beobachteten sie eine Reduktion von 25 Prozent und dieser Effekt einer Einzeldosis hielt für mehr als 70 Stunden an. Darüber hinaus stellten Cramer und ihre Kollegen fest, dass geistige Fähigkeiten und Gedächtnisleistungen und auch der Verlust des Geruchssinnes rasch wieder hergestellt wurden. So beobachteten sie zum Beispiel eine eindeutige und zentrale Verhaltensänderung schon nach 72 Stunden: Nach der Bexaroten-Behandlung legten die Tiere wieder typisches Nestbauverhalten an den Tag. Während gesunde Mäuse instinktiv damit beginnen, aus geeignetem Material wie etwa Taschentüchern ein Nest zu bauen, zeigen Alzheimer-Mäuse normalerweise keinerlei Anzeichen dieses Verhaltens.

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Quelle: „ApoE-Directed Therapeutics Rapidly Clear β-Amyloid and Reverse Deficits in AD Mouse Models“, Paige E. Cramer et al.; Science, Science Express DOI 10.1126/science.1217697


 

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