Übergewicht: Junkfood genügt nicht

„Das bedeutet”, gibt David Just von der Cornell University zu bedenken, „dass Diäten und Gesundheitskampagnen, die Übergewicht reduzieren und verhindern sollen, auf dem Holzweg sind, wenn sie darauf abzielen, bestimmte Lebensmittel zu verteufeln.” Just und sein Kollege Brian Wansink hatten Daten aus einer Gesundheits- und Ernährungsstudie mit knapp 5000 Freiwilligen genutzt. In ihre Berechnungen gingen letztlich die Angaben von 4895 Erwachsenen ein, die an zwei verschiedenen, nicht aufeinanderfolgenden Tagen in einem persönlichen Interview ausführlich danach befragt worden waren, was genau sie in den vergangenen 24 Stunden gegessen hatten. Außerdem war der Body-Mass-Index (BMI) der Teilnehmer bestimmt worden, der ein Anhaltspunkt dafür ist, ob jemand unter-, normal- oder übergewichtig ist.
Frühere Analysen, die sich mit der möglichen Auswirkung von Junkfood auf den BMI beschäftigt hatten, so erläutern die Forscher in ihren Ausführungen, hatten das Augenmerk fälschlicherweise auch auf die extremen Enden der BMI-Verteilung gelegt – also die extrem Untergewichtigen und krankhaft Übergewichtigen. Genau diese Extreme gehen aber häufig mit einem gestörten Essverhalten einher. Sie haben mit den Gewohnheiten und Problemen der restlichen 95 Prozent der Bevölkerung wenig zu tun, weshalb Ergebnisse verfälscht werden könnten. Daher berechneten Just und Wansink den Zusammenhang zwischen Essgewohnheiten und BMI sowohl für sämtliche Teilnehmer als auch für alle außer den extrem Unter- und Übergewichtigen. Was gegessen worden war, teilten sie in unterschiedliche Kategorien ein – darunter Fastfood-Mahlzeiten, gezuckerte Limonaden, Nachtisch, süße und salzige Snacks, aber auch Obst und Gemüse – und berechneten mögliche Einflüsse auf den BMI, den sie in insgesamt acht Kategorien einteilten.
Sie stellten fest: Klammerten sie die Probanden mit extremem BMI aus ihren Berechnungen aus, fand sich zwischen Normalgewichtigen und Übergewichtigen kein signifikanter Unterschied im Verzehr von Junkfood. Normalgewichtige gönnten sich sogar häufiger süße oder salzige Snacks als kleine Zwischenmahlzeit als Übergewichtige. Dafür variierte der Verzehr von Obst und Gemüse zwischen den BMI-Kategorien: Hier fanden die Forscher die Tendenz, dass ein höherer BMI häufig mit seltenerem Obst- und Gemüseverzehr einherging.
Just und Wansink schließen aus ihren Ergebnissen, dass die große Mehrheit an Gewichtsproblemen nicht allein auf den Verzehr von Fastfood, Süßigkeiten, Limonaden und Co. zurückzuführen ist. Sie schreiben, dass es für eine Mehrheit der erfolgversprechendere Diätratschlag sein könne, die Kalorienzufuhr insgesamt sowie die Häufigkeit von Zwischenmahlzeiten zu reduzieren. „Wenn wir eine wirkliche Veränderung wollen, müssen wir uns die gesamte Ernährung anschauen und die körperliche Aktivität”, rät Just. „Ganz eingeengt auf Junkfood abzuzielen, ist nicht nur ineffektiv, es könnte sogar kontraproduktiv sein, weil es von den wahren Ursachen für Übergewicht ablenkt.”
Die Forscher geben an, dass sie für ihre Studie keine finanzielle Unterstützung außerhalb der Universitätsmittel erhalten haben.