Das Bier der Eisenzeit
Die Gerste wurde, so vermutet Hans-Peter Stika von der Universität Hohenheim, in den hergerichteten Gräben in Wasser eingeweicht, bis sie keimte. Das nach dem Keimen entstandene Grünmalz wurde dann am offenen Feuer getrocknet. Diese Darre gab dem Malz einen rauchigen Geschmack. Milchsäurebakterien, die durch das langsame Trocknen der eingeweichten Körner stimuliert wurden, fügten dem Sud die Herbheit hinzu.
Anders als in späterer Zeit wusste man in der Eisenzeit noch nicht, dass sich mit Hopfen Geschmack und Haltbarkeit des Bieres steuern lässt. Geschmacklich verfeinerten die Kelten von Eberdingen-Hochdorf ihr Bier vermutlich mit Beifuß, Karottensamen oder Bilsenkraut. Zumindest von mittelalterlichen Brauern ist bekannt, dass sie diese Zutaten verwendeten. Grabungen auf dem keltischen Siedlungsgelände von Eberdingen-Hochdorf förderten auch tatsächlich einige Samen von Bilsenkraut zutage. "Diese Zutaten gaben dem keltischen Bier einen komplett anderen Geschmack als jenen, den wir heute gewohnt sind", sagt Hans-Peter Stika. Der römische Kaiser Julian (331-363) sagte vom keltischen Bier, dass es "nach Ziegenbock" schmecke.
