Bakterieller Fingerabdruck unterscheidet sogar zwischen eineiigen Zwillingen

Handkeime, die auf berührten Oberflächen haften bleiben, ermöglichen es, Personen zu identifizieren
Boulder (USA) - Von schmierigen oder rauen Oberflächen lassen sich keine Fingerabdrücke abnehmen. Es bleiben aber nach dem Berühren auch dort Bakterien der Hand zurück, die zur Personenidentifizierung geeignet sind, berichten amerikanische Forscher. Sie gehen davon aus, dass jeder Mensch eine ganz individuelle Mischung von Bakterien auf der Haut der Hände beherbergt. Wenn man etwas berührt, lösen sich so viele davon ab, dass sie mit einem Tupfer aufgenommen und aufgrund ihrer DNA analysiert werden können. Die neue Technik könnte als unabhängige Zusatzmethode für kriminaltechnische Untersuchungen hilfreich sein, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)". Zur Unterscheidung eineiiger Zwillinge, deren DNA identisch ist, wäre der bakterielle Fingerabdruck dem üblichen DNA-Test sogar überlegen.

"Das hätten wir noch vor zwei Jahren gar nicht tun können. Erst jetzt sind wir in der Lage, bakterielle DNA von 450 Proben gleichzeitig zu sequenzieren und wir glauben, dass diese Zahl bis zum nächsten Jahr auf 1000 ansteigen wird", sagt Noah Fierer von der University of Colorado at Boulder. Durch die Technik der automatisierten Pyrosequenzierung ist es heute möglich, in kurzer Zeit aufgrund von arttypischen DNA-Abschnitten zu ermitteln, aus welchen einzelnen Spezies sich ein Bakteriengemisch zusammensetzt. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass auf der Haut menschlicher Hände mehr als 4700 Arten von Bakterien vorkommen können. Die Hand eines einzelnen Menschen beherbergt eine ganz individuelle Mischung aus etwa 150 Spezies und nur 20 davon findet man auch bei einem anderen Menschen.

Um die Tauglichkeit von Handkeimen für forensische Tests nachzuweisen, nahmen Fierer und seine Kollegen zunächst Abstriche von Computertastaturen und von den Fingerkuppen mehrerer Computernutzer. Die jeweiligen DNA-Analysen lieferten Artenspektren von Bakterien, aus denen sich schließen ließ, welche Person eine bestimmte Tastatur benutzt haben könnte. Die Bakterienspur, die eine Hand beim Berühren eines Gegenstands hinterlässt, blieb bei Raumtemperatur mindestens zwei Wochen lang unverändert erhalten. Sie eignet sich daher für kriminalistische Untersuchungen, denn auch die Zusammensetzung des Bakteriengemisches auf der Haut eines Menschen bleibt über lange Zeit stabil. "Wir haben gar nicht gewusst, wie robust diese Mikroben sind", so Fierer.

Schließlich verglichen die Forscher die Ergebnisse der Abstriche von neun Computermäusen mit denen der Abstriche von Handflächen zahlreicher Personen. Mit einer Zuverlässigkeit von 70-90 Prozent konnten sie die Nutzer der Mäuse unter 270 Personen identifizieren. Dieser Prozentsatz werde sich wahrscheinlich mit einer weiteren Verbesserung der Technik noch erhöhen, sagt Fierer. Die Analyse des bakteriellen Fingerabdrucks könnte zu einer wichtigen zusätzlichen Methode der Forensik werden. Ihr Einsatz wäre insbesondere dann notwendig, wenn nicht genügend menschliche DNA zur Verfügung steht oder wenn auf Textilien oder anderen Oberflächen keine Fingerabdrücke zu finden sind.

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Quelle: "Forensic identification using skin bacterial communities", Noah Fierer et al.; Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), Online-Publikation, http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1000162107


 

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