Nachtschwalben verbessern ihre Tarnung – individuell

Die Bodenbrüter wählen für den Nistplatz eine Bodenstruktur, die sie und ihre Eier vor Räubern am besten verbirgt
Diese Nachtschwalbe (Bildmitte) ist nur auf laubbedecktem Boden optimal getarnt.
Diese Nachtschwalbe (Bildmitte) ist nur auf laubbedecktem Boden optimal getarnt.
© Project Nightjar
Penryn (Großbritannien) - Für Vögel, die auf dem Boden brüten, ist Tarnung besonders wichtig. Offenbar verstärken die Tiere den bereits vorhandenen Tarneffekt von Federn und Eierschalen durch individuell angepasste Auswahlkriterien bei der Suche nach einem Nistplatz, berichten britische Biologen. Denn Tiere und Eier von ein und derselben Art unterscheiden sich etwas im Aussehen. Daher wählt jeder Vogel einen Ort, der für sein Gefieder und das Fleckenmuster seiner Eier den besten Schutz vor dem Blick der Feinde gewährt, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature Ecology and Evolution“. Weiterhin ungeklärt bleibt, inwieweit dieses Verhalten angeboren oder erlernt ist.

„Diese Forschung hilft uns zu verstehen, wie Aussehen und Verhalten verbunden sind“, sagt Claire Spottiswoode von der University of Cambridge, die zusammen mit Martin Stevens von der University of Exeter das Projekt leitete. „Jeder einzelne Vogel sieht ein bisschen anders aus und wir haben gezeigt, dass sich die Tiere individuell unterschiedlich verhalten können“, sagt Stevens. Die Biologen beobachteten das Brutverhalten von neun bodenbrütenden Vogelarten im südafrikanischen Sambia. Nachtschwalben, Rennvögel und Regenpfeifer bauen keine Nester, sondern legen ihre Eier einfach auf dem Boden ab. Sowohl das Gefieder von Küken und erwachsenen Vögeln als auch die Eier sind im Aussehen so an die Umgebung angepasst, dass sie kaum erkennbar sind. Für eine optimale Tarnung setzen die Nachtschwalben mehr auf das Gefieder der Altvögel, die sich daher beim Brüten auf eine nur geringe Fluchtdistanz verlassen. Dagegen haben die anderen besser getarnte Eier, so dass sie bei Bedrohung früher vom Nest auffliegen. Wie andere Untersuchungen zusätzlich ergeben hatten, haben die Bodenbrüter eine umso kleinere Fluchtdistanz, je besser die Tarnung ist. „Es könnte sein, dass sie irgendwie ‚wissen‘, wie sie aussehen, und entsprechend reagieren“, sagt Stevens.

Die Forscher analysierten Foto- und Filmaufnahmen von 92 Gelegen der Rennvögel und Regenpfeifer sowie von 105 Gelegen der Nachtschwalben. Sie ermittelten mit Hilfe spezieller Bildanalysen , wie gut die Eier und die brütenden Vögel getarnt und somit vor Räubern wie Buschwürger, Grüne Meerkatzen und Mangusten geschützt waren. Dazu verglichen sie die Qualität des Nistplatzes mit einem anderen Platz, der entweder nur wenige Zentimeter verlagert oder bis zu fünf Meter vom tatsächlich gewählten Ort der Eiablage entfernt war. Für beide Zonen ergab die Auswertung eine gute Wahl der Vogeleltern. Zudem zeigte sich: Hätten sie ihr Gelege dort platziert, wo die Eier eines benachbarten Artgenossen lagen, wäre die Tarnung schlechter gewesen.

Die Biologen wissen noch nicht, wie die Tiere den für ihr individuelles Aussehen optimalen Nistplatz finden. Es könnte sein, sagt Stevens, dass sie das eigene Gefieder und das Aussehen ihrer Eier mit den Bodenstrukturen ihres Lebensraumes vergleichen und so einen passenden Ort auswählen. Möglicherweise müssten sie dazu zunächst die Erfahrung machen, an welchen Plätzen die Eier ihrer früheren Gelege schnell zur Beute von Räubern geworden sind. Weniger wahrscheinlich sei, dass es eine angeborene Verbindung zwischen dem Fleckenmuster der Eierschale und der Wahl eines Nistplatzes gibt. Ein Vergleich zwischen älteren Vögeln und Artgenossen, die zum ersten Mal brüten, könnte diese Frage vielleicht beantworten.

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