Stress könnte Alzheimer begünstigen

Gestresste Senioren entwickeln häufiger leichte kognitive Beeinträchtigungen, ein mögliches Vorzeichen von Alzheimer
Stress könnte Senioren anfälliger für kognitives Nachlassen machen.
Stress könnte Senioren anfälliger für kognitives Nachlassen machen.
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Bronx (USA) - Wer im Alter viel Stress empfindet, entwickelt häufiger leichte Denk- und Gedächtnisprobleme. Das haben US-Mediziner in einer Studie mit mehr als 500 Senioren beobachtet. Sie erläutern den Zusammenhang im Fachblatt „Alzheimer's Disease and Associated Disorders”. Solche sogenannten leichten kognitiven Beeinträchtigungen wiederum gehen oft massiveren Problemen mit der geistigen Leistungsfähigkeit voraus, insbesondere Demenzerkrankungen, darunter in erster Linie Alzheimer. Das Gute daran: Stress lässt sich mit relativ einfachen Strategien effektiv vermindern – und damit ist dieser Risikofaktor für Alzheimer kontrollierbar, bestenfalls sogar eliminierbar.

„Unsere Studie liefert starke Belege dafür, dass gefühlter Stress die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eine ältere Person leichte kognitive Beeinträchtigungen entwickeln wird”, erläutert Seniorautor Richard Lipton vom Saul R. Korey Department of Neurology am Albert Einstein College of Medicine in Bronx. Glücklicherweise sei Stress ein veränderbarer Risikofaktor, was ihn zu einem Ziel für Behandlungen mache. Die Mediziner hatten in einer umfassenden Langzeitstudie geprüft, ob ein Zusammenhang besteht zwischen erlebtem Stress und dem Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit. Dazu analysierten sie die Daten von insgesamt 507 Teilnehmern einer Gesundheitsstudie, die zu Beginn 70 Jahre und älter waren und nicht unter Gedächtnisproblemen litten. Die Senioren machten einmal im Jahr nicht nur Angaben zu ihrer Gesundheit, Alltagsaktivitäten und möglichen Gedächtnisproblemen. Sie durchliefen auch eine Reihe von Tests, welche die geistige Leistungsfähigkeit ebenso erfassten wie die empfundene Stressbelastung, die anhand einer Skala von 0 bis 56 bestimmt wurde. Nach der Eingangserhebung wurden die Probanden mindestens noch ein weiteres Mal untersucht. Im Schnitt nahmen die Senioren für jeweils 3,6 Jahre an der Studie teil.

Während des Studienzeitraums entwickelten 71 der Senioren leichte kognitive Beeinträchtigungen. Dabei fanden die Forscher einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem wahrgenommenen Stress und dem Auftreten verminderter geistiger Leistungsfähigkeit, der auch dann bestehen blieb, wenn die Forscher andere Risikofaktoren wie Depressionen oder genetische Veranlagung in ihre Berechnungen einbezogen. Je größer die Stressbelastung eines Senioren, desto größer war auch dessen Wahrscheinlichkeit, leichte geistige Probleme zu entwickeln: Für je fünf Punkte mehr auf der Stress-Skala stieg das Risiko um 30 Prozent. Diejenigen mit der größten Belastung hatten verglichen mit den übrigen Teilnehmern ein zweieinhalbmal größeres Risiko. Unter Stress litten besonders häufig Frauen sowie Teilnehmer mit niedrigerem Bildungsstand und jene mit Depressionen.

„Der gefühlte Stress spiegelt die täglichen Scherereien wieder, die wir alle erleben, ebenso wie die Art und Weise, wie wir das Geschehen einschätzen und damit fertig werden”, sagt Liptons Kollegin und Erstautorin Mindy Katz. Der Stress ließe sich mindern, zum Beispiel mit Hilfe von Achtsamkeitsbasierter Stressreduktion, Verhaltenstherapie oder auch durch Medikamente. So einzuschreiten, hofft sie, könne den geistigen Verfall hinauszögern oder sogar ganz verhindern.

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Quelle: „Influence of perceived stress on incident amnestic mild cognitive impairment: Results from the Einstein Aging Study”, Richard Lipton, Mindy J. Katz et al.; Alzheimer's Disease and Associated Disorders, im Druck


 

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