Rundes Gesicht signalisiert aggressives Verhalten

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen erlaubt das Verhältnis zwischen Breite und Länge des Gesichts Rückschlüsse auf dominantes Persönlichkeitsmerkmal
Nicht kantige Gesichtszüge, sondern das Verhältnis zwischen Breite und Länge des Gesichts signalisieren Dominanz und Aggression.
Nicht kantige Gesichtszüge, sondern das Verhältnis zwischen Breite und Länge des Gesichts signalisieren Dominanz und Aggression.
© Shutterstock, Bild 127313411
Leeds (Großbritannien) - An der Mimik eines Menschen lassen sich nur momentane Emotionen ablesen. Doch bestimmte unveränderliche Gesichtsmerkmale signalisieren auch Informationen über die Persönlichkeit. Eine britische Studie bestätigt jetzt, dass eine runde Gesichtsform eher mit dominantem und aggressivem Verhalten verbunden ist als ein ovales Gesicht. Das traf sowohl auf Männer als auch auf Frauen zu, berichten die Forscher im Fachblatt „Biology Letters”. Für ausgeprägt männliche Gesichtszüge wie markante Wangenknochen ergab sich dagegen kein derartiger Zusammenhang.

„Unsere Resultate liefern neue Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Aussehen und Verhalten bei Männern und Frauen“, schreiben Carmen Lefevre von der Leeds University Business School und ihre Kollegen. Das Verhältnis zwischen Breite und Länge des Gesichts sei ein zuverlässiges Signal für Dominanz und Aggression. An der Studie beteiligten sich 103 männliche und weibliche Studenten. Mit Hilfe von Fotografien ermittelten die Forscher bei jedem das Verhältnis zwischen Gesichtsbreite und dem Abstand zwischen Oberlippe und Augenlid. Je größer dieser Quotient, desto rundlicher das Gesicht. Das Ausmaß maskuliner Gesichtszüge – der sogenannte Maskulinitätsindex – wurde durch andere Merkmale, darunter das Verhältnis zwischen oberer und unterer Gesichtshälfte, die Stärke der Wangenknochen und die Größe der Augen bestimmt. Die Angaben zu dominantem und aggressivem Verhalten beruhten auf der Selbsteinschätzung der Testpersonen sowie der Beantwortung eines standardisierten Fragenkatalogs.

Beide Geschlechter zeigten denselben Zusammenhang zwischen Gesichtsbreite und Dominanz. Bei Männern galt diese Beziehung auch für körperliche und verbale Aggression, nicht aber für feindseliges Verhalten. Bei Frauen war eine eher rundliche Gesichtsform besonders stark mit verbaler Aggression gekoppelt, etwas weniger mit körperlicher Aggression. Dagegen war zwischen Maskulinitätsindex und Verhalten kein Zusammenhang nachweisbar. Auch wenn die Forscher das Körpergewicht bei der statistischen Auswertung berücksichtigten, veränderten sich die Resultate nicht.

Das sei die erste Studie, die zeigt, dass Gesichtsmerkmale auch Rückschlüsse auf das Verhalten von Frauen zulassen, so die Autoren. Eine mögliche Erklärung ihrer Ergebnisse sehen sie darin, dass größere und kräftigere Backenknochen ein Gesicht breiter und gleichzeitig widerstandsfähiger gegen Schlagverletzungen machen. Diese Gesichtsform könnte daher häufiger bei aggressiveren Menschen vorkommen. Frakturen der Backenknochen seien die zweithäufigsten Bruchverletzungen des Gesichts und träten hauptsächlich bei jungen Männern nach gewalttätigen Auseinandersetzungen auf.

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