Langzeitwirkung: Frühes Vorlesen gut für die Sprachentwicklung

Studie bestätigt, dass gemeinsames Lesen im Säuglings- und Kleinkindalter die Sprach-, Lese- und Schreibkompetenzen im Vorschulalter fördert
Schon die Kleinsten lernen Sprachfertigkeiten allein beim Vorlesen.
Schon die Kleinsten lernen Sprachfertigkeiten allein beim Vorlesen.
© Creative Commons CC0 Public Domain, Andrea Don, Sittingbourne/United Kingdom
San Francisco (USA) - Schon den Allerkleinsten vorzulesen, fördert tatsächlich die Sprachentwicklung – und zwar langfristig. Von Vorlesestunden in den ersten beiden Lebensjahren profitieren sowohl Wortschatz als auch Lesevermögen der Kleinen noch vier Jahre später, also vor Beginn der Grundschule. Das bestätigen US-Forscher mit einer Studie mit mehr als 250 Müttern und deren Kleinkindern, wie sie auf einem Kongress der „Pediatric Academic Societies” berichteten. Zwar sei allgemein anerkannt, dass gemeinsames Lesen entscheidend ist für den Erwerb von Sprache und damit verbundenen Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben. Doch direkte Zusammenhänge zwischen dem frühen Lesen und den Auswirkungen seien nicht immer klar, insbesondere hinsichtlich dessen, welche Aspekte des Vorlesens – zum Beispiel Quantität und Qualität – dabei besonders wichtig sind.

„Diese Ergebnisse sind spannend, weil sie nahelegen: Bereits in der frühesten Kindheit anzufangen, den ganz Kleinen vorzulesen, hat einen anhaltenden Effekt auf die Sprache und auf die frühe Lese- und Schreibkompetenz”, erläuterte Carolyn Cates von der New York University School of Medicine. „Was sie lernen, wenn man ihnen als Kleinkind vorliest, hat vier Jahre später immer noch eine Wirkung, wenn sie kurz davor stehen, in die Schule zu kommen.” Cates und ihre Kollegen hatten die Vorlesegewohnheiten von mehr als 250 Müttern erfragt, als deren Kinder 6, 14 beziehungsweise 24 Monate alt waren. Sie erfassten sowohl die Quantität als auch die Qualität der Lektüre, also ob der Lesestoff altersgerecht war. Als die Kleinen viereinhalb Jahre alt waren, untersuchten die Forscher deren Wortschatz sowie Aspekte wie Textverständnis, sprachliche Abstraktionsfähigkeit und Lese- und Schreibfähigkeiten.

Dabei ergaben sich eindeutige Zusammenhänge zwischen der Vorlesekultur im Säuglings- und Kleinkindalter und der frühen sprachlichen Entwicklung: Anhand dessen, was und wie viel die Mütter ihren Babys bereits im zarten Alter von sechs Monaten vorlasen, ließ sich abschätzen, welchen aktiven und passiven Wortschatz die Kinder im Vorschulalter erworben hatten und wie gut sie lesen konnten. Insbesondere die Qualität der Lektüre beeinflusste dabei die Lesekompetenz. Die Vorlesegewohnheiten im Alter von 14 und 24 Monaten wirkten sich darüber hinaus unter anderem noch positiv auf die ersten Schreibversuche aus – etwa darauf, dass die Kleinen mit viereinhalb ihren Namen schreiben konnten. „Das gemeinsame Lesen bereits in der frühen Kindheit und im Kleinkindalter”, fassten die Forscher zusammen, „ist entscheidend für zentrale Sprach-, Lese- und Schreibkompetenzen – sogar noch vier Jahre später.”

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Quelle: „Early Reading Matters: Long-term Impacts of Shared Bookreading with Infants and Toddlers on Language and Literacy Outcomes”, Carolyn Cates et al.; 2017 Pediatric Academic Societies Meeting


 

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