Hygiene im Ameisennest nutzt der Kolonie

Der Abtransport von toten Ameisen verringert die Infektionsgefahr und verbessert die Überlebenschancen von Arbeiterinnen und Larven
Nest der Roten Gartenameise (Myrmica rubra)
Nest der Roten Gartenameise (Myrmica rubra)
© Shutterstock, Bild78531073
Brüssel (Belgien) - Soziale Insekten wie Termiten, Ameisen und Bienen haben Verhaltensweisen entwickelt, die ihre Kolonie vor Parasiten und Infektionserregern schützen. Zu diesen Hygienemaßnahmen zählt bei Ameisen der schnelle Abtransport von toten Artgenossen aus dem Nest. Belgische Biologen konnten jetzt zeigen, dass sich dadurch tatsächlich die Überlebenschancen der Nestbewohner verbessern. War der Nesteingang so verengt, dass nicht mehr alle toten Ameisen herausgebracht werden konnten, stieg die Sterberate an. Die Larven waren davon weniger betroffen als die erwachsenen Insekten, da die Arbeiterinnen die toten Körper von der Brut fernhielten, berichten die Forscher im Fachblatt „Biology Letters“.

„Zusammen mit anderen prophylaktischen Verhaltensweisen wirkt die Beseitigung der toten Tiere als Abwehrschirm gegen eine Übertragung von Krankheitserregern“, erklären Lise Diez von der Université Libre de Bruxelles und ihre Kollegen. Bei der Zersetzung toter Körper kommt es zu einer starken Vermehrung von Mikroben. Diese könnten sich im Nest ausbreiten, Infektionen auslösen und so die biologische Fitness der ganzen Kolonie beeinträchtigen. Welche Mikrobenarten für die gemessenen erhöhten Sterberaten verantwortlich sind, muss in weiteren Arbeiten noch ermittelt werden.

Die Forscher beobachteten das Verhalten der Roten Gartenameise (Myrmica rubra) in Laborversuchen. Künstliche Nester mit jeweils etwa 200 Arbeiterinnen und 60 Larven waren über eine Öffnung mit einer begrenzten Fläche verbunden, auf der Nahrung angeboten wurde. Bei 15 solcher Kolonien verengten die Biologen den Nesteingang auf einen Durchmesser von nur zwei Millimeter. Das genügte als Durchlass für einzelne Ameisen, erschwerte aber den Abtransport eines toten Ameisenkörpers. Bei 15 anderen Nestern war der Eingang dagegen 15 Millimeter breit. Zu Beginn der Experimente wurden zehn durch Gefrieren getötete Ameisen in jedes Nest gelegt.

Bereits nach vier Tagen waren alle toten Insekten aus den Nestern mit großem Eingang entfernt. In den anderen Nestern begannen die Arbeiterinnen nach acht Tagen, die toten Körper entweder weit entfernt von den Larven abzulegen oder zu zerlegen und dann ganz aus dem Nest zu bringen. Nach sieben Wochen waren in den Kolonien, in denen eine problemlose Beseitigung der toten Tiere möglich war, 94 Prozent der erwachsenen Insekten und 98 Prozent der Larven noch am Leben. In den anderen Kolonien waren es nur 87 bzw. 93 Prozent. Die Hygienemaßnahme hatte also einen messbar positiven Effekt zum Nutzen der Kolonie.

Die Larven waren durch tote Ameisen im Nest auch aufgrund einer Arbeitsteilung weniger gefährdet als die erwachsenen Ameisen: Die jüngeren Arbeiterinnen beschäftigten sich mit der Brutpflege und andere waren für das Wegbringen oder Zerlegen der toten Tiere zuständig. Das verringerte die Infektionsgefahr für die Larven. Andere soziale Insekten vergraben ihre toten Artgenossen oder lagern sie in separaten Kammern des Nestes ab. Zu den weiteren Maßnahmen, die dem Schutz vor Infektionen dienen, zählen die gegenseitige Körperpflege und der Einsatz antimikrobieller Substanzen beim Nestbau.

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