Großstudie belegt: Besser schlank und träge als dick und aktiv

Das Risiko eines frühen Todes ist für fettleibige junge Männer größer als für normalgewichtige – auch wenn sie körperlich sehr aktiv sind
Besser schlank als fit
Besser schlank als fit
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Umeå (Schweden) - Fettleibige junge Männer haben eine kürzere Lebenserwartung als schlanke. Ihr höheres Sterberisiko sinkt auch dann nicht, wenn sie körperlich sehr aktiv sind. Dieses Ergebnis einer großen schwedischen Langzeitstudie steht im Widerspruch zu früheren Untersuchungen, nach denen die gesundheitlichen Nachteile von Übergewicht durch sportliche Aktivität ausgeglichen werden können. Die Gruppe der fettleibigen Testpersonen mit der höchsten körperlichen Fitness hatte im Untersuchungszeitraum ein höheres Sterberisiko als die am wenigsten aktiven Normalgewichtigen, berichten die Forscher im Fachblatt „International Journal of Epidemiology”. Offenbar verringert sich der positive Effekt von körperlicher Aktivität mit steigendem Körpergewicht und ist bei stark Fettleibigen gar nicht mehr nachweisbar.

„Einen Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und dem Risiko eines frühen Todes konnten wir nur bei Normalgewichtigen, nicht aber bei Fettleibigen beobachten“, schreiben Peter Nordström und Kollegen von der Universität Umeå. Die Resultate sprächen gegen die Existenz einer gesunden Fettleibigkeit. Das Prinzip „fett aber fit” sei demnach nicht mit einer gesunden Lebensweise vereinbar. Die Studie erfasste Daten von 1,3 Millionen schwedischen Männern, die im Alter von durchschnittlich 18 Jahren zum Wehrdienst einberufen und medizinisch untersucht worden waren. Die körperliche Fitness wurde mit Hilfe eines Fahrradergometers ermittelt. In einem Zeitraum von 29 Jahren starben 44.301 Probanden.

Dieses Risiko eines frühen Todes war insgesamt bei denen mit der besten körperlichen Fitness um 49 Prozent geringer als bei denen mit den schlechtesten Fitnesswerten. Aber bei Fettleibigen war der Zusammenhang zwischen Fitness und Sterberisiko statistisch nicht mehr relevant. Normalgewichtige mit den schlechtesten Fitnesswerten hatten immer noch ein um 30 Prozent geringeres Sterberisiko als die Gruppe der fitten Fettleibigen. Wurde in der statistischen Auswertung zwischen einzelnen Todesursachen unterschieden, ergab sich ein besonders enger Zusammenhang zwischen Fitness und Todesfällen aufgrund von Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Das erklären die Forscher damit, dass starker Alkohol- oder Drogenkonsum zu verringerter körperlicher Aktivität führen könnte, wodurch sich dann das Risiko eines frühen Todes erhöht.

An früheren Untersuchungen mit ähnlicher Fragestellung hatten auch ältere Menschen teilgenommen und die Zahl der Testpersonen war deutlich geringer. Das könnten Gründe dafür sein, dass die Ergebnisse der aktuellen Studie dem „Fett-aber-Fit“-Prinzip widersprechen. Außerdem beschränken sich die jetzt vorgelegten Resultate auf Männer und berücksichtigen nur Todesfälle vor dem Erreichen des 50. Lebensjahrs. Obwohl diese Beobachtungsstudie keine Ursache-Wirkung-Beziehung nachweisen kann, zeigt sie nach Ansicht der Autoren, dass – bezogen auf das Risiko eines frühen Todes – ein normales Körpergewicht in jungen Jahren wahrscheinlich wichtiger ist als körperliche Fitness.

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