Asthmatherapie: Protein aus Wurmparasiten dämpft Entzündungen

Ein gentechnisch hergestelltes Protein von Hakenwürmern lindert Asthmasymptome bei Mäusen, indem es die Produktion entzündungshemmender Immunzellen verstärkt
Larve eines Hakenwurms
Larve eines Hakenwurms
© Fernandolive / Wikimedia Commons, public domain
Cairns (Australien) - Wenn Hakenwürmer den Darm infizieren, setzen sie entzündungshemmende Substanzen frei. Damit senken die Parasiten nicht nur das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, sondern auch für Allergien wie Asthma. Jetzt haben australische Mediziner ein Protein der Würmer identifiziert, das bei Mäusen asthmatische Entzündungsreaktionen unterdrückt. Eine Behandlung mit dem gentechnisch hergestellten Protein förderte die Produktion von Immunzellen und Botenstoffen, die Entzündungen dämpfen, berichten die Forscher im Fachblatt „Science Translational Medicine“. Versuche mit Zellen von Allergiepatienten lassen darauf schließen, dass sich das Wurmprotein zur Behandlung allergischer Erkrankungen eignen könnte.

„Parasitische Würmer beeinflussen die Immunabwehr ihres menschlichen Wirts, damit sie unentdeckt im Darm überleben können“, sagt Severine Navarro von der James Cook University in Cairns. „Das wollen wir ausnutzen, um überschießende Entzündungsreaktionen zu kontrollieren, die für Allergien typisch sind.“ Bei allergischen und chronisch-entzündlichen Erkrankungen ist die normale Regulation zwischen entzündungsfördernden und -hemmenden Reaktionen gestört. Das lässt sich daran erkennen, dass bestimmte Typen von T-Lymphozyten in größerer und andere in kleinerer Zahl produziert sowie unterschiedliche immunologische Botenstoffe freigesetzt werden.

In einer früheren Studie hatten die Forscher um Severine Navarro und Alex Loukas chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn behandelt, indem sie die Patienten mit lebenden Hakenwürmern (Necator americanus) infizierten. Dabei konnten sie nachweisen, dass die Parasiten ein Sekret absondern, welches die Entzündungen der Darmschleimhaut verringert. Als eines der Hauptbestandteile des Sekrets identifizierten die Mediziner das Protein AIP-2. Dieses Protein veränderte die Aktivität von Immunzellen der Lymphknoten im Bereich des Dünndarms so, dass sich der Anteil entzündungsdämpfender T-Lymphozyten auf Kosten der entzündungsfördernden erhöhte. Inzwischen ist es den Forschern auch gelungen, das Protein AIP-2 durch gentechnische Methoden in großen Mengen herzustellen, so dass ein Einsatz als therapeutischer Wirkstoff möglich ist.

„Die gute Nachricht ist, dass das Wurmprotein nicht nur den Darm, sondern auch die Atemwege schützt“, sagt Loukas. Das zeigte sich bei Mäusen mit experimentell erzeugtem Asthma. Die allergischen Reaktionen in der Lungenschleimhaut ließen sich mit AIP-2 erfolgreich behandeln, wenn es entweder mit Injektionen oder durch die Nase verabreicht wurde. Eine klinische Studie mit Asthmapatienten gibt es noch nicht. Doch wie Untersuchungen an Kulturen menschlicher Zellen ergaben, sind die Resultate aus den Tierversuchen wahrscheinlich auf den Menschen übertragbar. Diese Ergebnisse seien ein wichtiger Schritt, sagt Loukas, zur Entwicklung einer neuen Form der Therapie von Asthma und anderer entzündlicher Erkrankungen sowie von Autoimmunkrankheiten.

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