Magnetsensor auf der Fingerspitze

Dresdner Forscher entwickeln dünne und flexible Hall-Sonde für Roboter, Elektromotoren und Elektronik zum Anziehen
Flexibler Magnetfeldsensor auf einem Finger - Hall-Sonde aus Plastikfolienmit hauchdünnen Bismut-Schichten
Flexibler Magnetfeldsensor auf einem Finger - Hall-Sonde aus Plastikfolienmit hauchdünnen Bismut-Schichten
© Wiley VCH Advanced Materials, Melzer et al.
Dresden - Winzige Magnetfeldsensoren gehören zur Standardausstattung von Smartphones. Sie unterstützen die Lage- und Positionsbestimmung des Geräts, das sich über Apps zum Kompass, zur Wasserwaage oder auch zu einem Metalldetektor verwandeln lässt. Das Sensor-Modul, eine sogenannte Hall-Sonde, besteht bisher aus einem starren etwa einen halben Millimeter dicken Block. Dünner und flexibler dagegen sind Hall-Sonden, die nun Dresdner Wissenschaftler entwickelt haben. Wie sie in der Fachzeitschrift „Advanced Materials“ berichten, könnten diese biegsamen Magnetfeldsensoren in elektronischer Kleidung (Smart Clothes), in der Robotik oder zur Optimierung von Elektromotoren genutzt werden.

„Der Sensor kann um das Handgelenk gebogen oder auch auf einem Finger als interaktives Zeigemodul gelegt werden“, erklären Michael Melzer und seine Kollegen vom Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden. Ihre Prototypen bestehen aus hauchdünnen Kunststofffolien aus Polyimid oder Polyetheretherketon (PEEK). Diese flexiblen Folien bestäubten die Foscher mit dem Metall Bismut und ergänzten mehrere Kontaktelektroden. Mühelos ließen sich diese Folien bis auf einen kleinen Radius von nur sechs Millimetern wiederholt biegen, ohne Schaden zu nehmen.

Grundlage der Magnetfeldmessung ist der sogenannte Hall-Effekt: Dabei fließt ein kleiner Strom durch den Sensor. Wird die Hall-Sonde durch ein äußeres Magnetfeld bewegt, entsteht eine Hall-Spannung. Deren Wert ist abhängig von der Position der Sonde relativ zum Magnetfeld. Melzer und Kollegen testeten nun verschiedene Stärken für die Bismut-Schicht und variierten die Temperaturen bei der Fertigung. Eine sehr gute Empfindlichkeit für Magnetfelder, die herkömmlichen Hall-Sonden entsprachen, erzielten sich mit nur 230 Nanometer dünnen Bismut-Lagen.

Auf einen Finger gespannt konnte die Position des flexiblen Hall-Sonde relativ zu einem Magneten genau bestimmt werden. Damit eignet sie sich als elektronische Zeigemodul, das etwa bei Vorträgen die Laserpointer ersetzen könnte. In Zukunft könnten diese Magnetfeld-Sensoren in Textilien mit integrierter Elektronik, sogenannte Wearables, eingesetzt werden, die besipielsweise die Körperfunktionen kontrollieren können. Doch auch für die Steuerung von Robotern oder Magnetfeldmessungen in Elektromotoren sehen die Forscher mögliche Anwendungen.

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