Gefährliche Familienforschung

Ahnenforschung ist ein beliebtes Hobby. Doch sie enthält manchmal auch Sprengsätze, die eine Familie spalten können
Warwick (Großbritannien) - Die Erforschung der eigenen Familie in der jüngeren oder auch weiter zurückliegenden Vergangenheit kann eine spannende Beschäftigung sein. Doch manchmal offenbart sich bei der Ahnenforschung so viel Zündstoff, dass auch die heute lebenden Familienmitglieder betroffen sind. Eine britische Soziologin kann dies jetzt in konkreten Zahlen benennen: Von 224 Personen, die sie zu ihrer Familienforschung befragt hatte, meldeten 30 einen dadurch entstandenen Konflikt. Das sind mehr als 13 Prozent - ein hoher Prozentsatz für ein scheinbar harmloses Hobby.

"Bei der Untersuchung der Geschichte der eigenen Familie könnten die Ahnenforscher eine Büchse der Pandora öffnen", erklärt Anne-Marie Kramer von der University of Warwick. "Dadurch könnten Geheimnisse und Skelette zutage gefördert werden, bei denen es um Vaterschaft, illegitime Nachkommen, um Hochzeiten bedenklich kurz vor der Geburt eines ersten Kindes, um Kriminalität oder schwere Krankheiten oder auch um eine bisher unbekannte Herkunft aus einfachen Verhältnissen geht." Kramer hatte 224 Menschen im Alter zwischen 16 und 95 Jahren zu ihren Familienforschungen und möglicherweise entstandenen Konflikten befragt.

Eine 72-jährige Frau schrieb zum Beispiel: "Ich habe eine Freund, der nach dem Tod seiner Mutter herausfand, dass seine Schwester adoptiert war. Er hat diese Information nicht an seine Schwester weitergegeben, aber es ist ihm sehr unangenehm, dieses Wissen nun zu haben." Eine andere Frau und ihre Familie fanden bei der Familienforschung heraus, dass ein entfernterer Verwandter gar nicht Marineoffizier war, wie man in der Familie immer angenommen hatte. "Als wir das das allgemein bekannt machten, gab es einen Aufschrei. Wir sind jetzt vorsichtiger mit dem, was wir unseren Großeltern oder älteren Tanten erzählen."

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Quelle: Universität Warwick


 

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