Fukushima-Reaktor: Kettenreaktion lief bis zu zwei Wochen nach Notabschaltung weiter

Isotopenanalyse liefert Hinweise auf aktive Spaltprozesse im Reaktorblock 2
Luftaufnahme des Kernkraftwerks Fukushima aus dem Jahr 1975
Luftaufnahme des Kernkraftwerks Fukushima aus dem Jahr 1975
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Tokio (Japan) - Die schnelle Notabschaltung im havarierten Kernkraftwerk Fukushima hat nicht funktioniert: Die Kettenreaktion der Atomkerne lief offenbar noch bis zu 15 Tage weiter. Zu diesem Ergebnis, das eine partielle Kernschmelze im Reaktorblock 2 erklären könnte, kommt der japanische Physiker Tetuo Matsui von der Universität Tokio. Dazu analysierte er die Konzentrationen der radioaktiven Spaltprodukte Iod-131 und Cäsium-137, die in den Wochen nach dem Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 in Wasserproben gemessen worden waren. Das Verhältnis der gemessenen Isotope liefert die Grundlage für Matsuis Schlussfolgerung, die der Physiker in einem Bericht auf der Forschungsdatenbank Arxiv zur Diskussion stellt.

"Die Daten der Wasserproben aus dem Kühlbecken von Reaktorblock 4 und der Drainage von Block 2 zeigen Anomalien, die – wenn korrekt – auf Spaltprodukte hinweisen, die durch eine nach dem Erdbeben gezündete Kettenreaktion produziert wurden", schreibt Matsui. Denn das Isotop Jod-131 hat eine Halbwertszeit von acht Tagen, die Hälfte der Cäsium-137-Isotope sind dagegen erst nach 30 Jahren zerfallen. So hätte sich bereits wenige Tage nach dem Unglück und einer erfolgreichen Notabschaltung das Isotopenverhältnis zugunsten des Cäsiums verschieben müssen. Doch die Messdaten bestätigten dies nur für die explodierten Reaktorblöcke 1, 3 und 4, nicht aber für die zweite Kraftwerkseinheit. Ohne eine Kettenreaktion, die mindestens 10 bis 15 Tage nach dem Erdbeben noch stattfand, seien laut Matsiu die beobachteten Isotopenkonzentrationen nur schwer zu erklären.

Matsui ist sich bewusst, dass seine Analyse nur erste Hinweise auf eine über Tage anhaltene Kettenreaktion liefern kann. Sichere Informationen über eine zumindest partielle Kernschmelze können nur Untersuchungen direkt im havarierten Reaktorblock liefern. Wegen der immer noch hohen Strahlungswerte wird es jedoch noch einige Zeit brauchen, bis solche Daten verfügbar sind.

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Quelle: "Deciphering the measured ratios of Iodine-131 to Cesium-137 at the Fukushima reactors", T. Matsui, arxiv.org/abs/1105.0242


 

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