COP22 endet mit „Proklamation von Marrakesch“

UN-Klimakonferenz unterstreicht Abkommen von Paris und drängt zu schnellem Handeln gegen die Erderwärmung
Staatsvertreter aus aller Welt verabschieden die „Proklamation von Marrakesch“
Staatsvertreter aus aller Welt verabschieden die „Proklamation von Marrakesch“
© UNFCCC
Marrakesch (Marokko) - Heute nachmittag endet voraussichtlich die Klimakonferenz COP22 in Marrakesch. Bereits am Donnerstagabend verständigten sich Vertreter aus 196 Staaten auf die „Proklamation von Marrakesch“, in der der Kampf gegen den Klimawandel „höchste Priorität“ und „maximales politisches Engagement“ genießen soll. Damit werden die Ergebnisse des Pariser Abkommens bestätigt und die Dringlichkeit der Umsetzung – die Erderwärmung möglichst bei 1,5 bzw. 2 Grad zu stoppen – unterstrichen. Das Pariser Abkommen trat verblüffend schnell am 4. November in Kraft und wurde bislang von 111 Staaten ratifiziert.

„Nicht nur Regierungen, sondern auch die Wissenschaft, Unternehmen und weltweite Aktionen auf allen Ebenen“ sollen laut der Proklamation verstärkt gegen die Erderwärmung aktiv werden. Parallel wurde die Unterstützung von 100 Milliarden Dollar jährlich – zahlbar von den Industriestaaten an die Entwicklungsländer - wie schon auf vorherigen Konferenzen abermals zugesagt. Die Klimaschutzmaßnahmen sollen insbesondere im Einklang mit den Entwicklungszielen der UN ergriffen werden, dazu zählen die Bekämpfung des Hungers, sauberes Trinkwasser und eine ausreichende Gesundheitsversorgung für die gesamte Menschheit.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks stellte im Verlauf der Konferenz den deutschen Klimaschutzplan 2050 vor, den das Kabinett nach stark kontroverser Debatte erst am vergangenen Montag in wahrlich letzter Minute verabschiedet hatte. Da ein konkreter Fahrplan zum Kohleausstieg in dem Fahrplan fehlt, steht der Klimaschutzplan hierzulande unter schwerer Kritik und wird gerne als Niederlage von Hendricks interpretiert. Die internationale Gemeinschaft in Marrakesch dagegen nahm den Klimaschutzplan weitestgehend positiv auf. Und das, obwohl Deutschland laut einer Aussage von Hendricks im Deutschlandfunk seine kurzfristigen Klimaziele für 2020 „höchstwahrscheinlich“ knapp verfehlen werde. „Ich vermute, dass wir es nicht ganz schaffen werden“, sagte Hendricks am Dienstag dem Sender. Anklang fand dafür die Ankündigung, dass Deutschland seine Klimahilfen für arme Staaten um 50 Millionen Euro aufstocken und bis 2020 vier Milliarden Euro zur Verfügung stellen will. Auch die diese Woche zugesagten Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau für den Bau eines 70 Megawatt-Photovoltaikkraftwerks im marokkanischen Ouarzazate wurden dankbar begrüßt.

Trotz der ermutigenden Rede des noch amtierenden US-Außenministers John Kerry, trübte die Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA in der ersten Konferenzwoche die Stimmung deutlich. Laut Kerry sollen die USA ihre Emissionen auf ein Fünftel im Vergleich zu 2005 bis 2050 reduzieren. Aber niemand kann bislang abschätzen, ob der Klimawandelleugner Trump an diesen Zielen oder überhaupt am Pariser Abkommen festhalten wird. Nicht nur zahlreiche US-Unternehmen drängten die kommende Regierung zur Einhaltung des amerikanischen Klimaschutzfahrplans. Selbst China machte in Marrakesch deutlich, dass es trotz möglicher Rückschritte der USA seine Pläne zum Klimaschutz einhalten wird. Denn der Kampf gegen die Erderwärmung sei unumkehrbar. „Wir wollen spätestens 2030 den Höhepunkt unserer CO2-Emissionen überschreiten“, sagt Liu Qiang, Energieexperte der chinesischen Klimawandel-Abteilung der Nationalen Entwicklungskommission NCSC. „Und vielleicht erreichen wir dieses Ziel schon ein paar Jahre früher.“

Global unterscheiden sich die Klimaschutzstrategien jedoch deutlich. 45 Staaten, vor allem wenig entwickelte Länder in Afrika, Asien, der Karibik und der Südsee, beschlossen, ihre Energieversorgung so schnell wie möglich ausschließlich auf erneuerbare Quellen umzustellen. Der bislang klarste Verzicht auf Kohle, Öl und Gas soll in den kommenden drei Jahren in die jeweiligen, nationalen Klimaschutzzielen festgeschrieben werden. Skeptisch muss dagegen, trotz aller Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung, der Ausbau der Kohlekraft in Staaten wie Indien oder Indonesien betrachtet werden. Russland, Saudi-Arabien und China kündigten gar einen Ausbau der Kernenergie an, um ihre Klimaziele ohne Beachtung des Sicherheitsrisikos und hoher Kosten der umstrittenen Technologie zu erreichen.

Trotz breiter Euphorie zum Abschluss machten viele Veranstaltungen auf der COP22-Klimakonferenz deutlich, dass die bisher von den Staaten verkündeten CO2-Reduktionen nicht zum Erreichen eines Zwei-Grad-Ziels ausreichen werden. Maßnahmen gegen diesen „Emission-Gap“ wurden zwar gefordert, aber konkret kaum ausformuliert. Die Internationale Energieagentur IEA in Paris – bekannt für ihre konservativen Energieprognosen – schätzte die Erderwärmung ohne Verschärfung der Klimaschutzpläne auf mindestens 2,7 Grad bis zum Jahr 2100 ab. „Dafür sehen wir für die kommenden 25 Jahre Erdgas, aber besonders auch Wind und Solar als die neuen Vorreiter, die die Kohle von der bisherigen Spitzenstellung verdrängen werden“, sagte IEA-Direktor Fatih Birol. Für optimistischere Konferenzteilnehmer bleibt es aber nicht ausgeschlossen, dass die Kehrtwende zur den Erneuerbaren bei stetig fallenden Kosten für Solar- und Windstrom sogar früher als von der IEA erwartet eintreten könnte.

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