Brautwerbung: Wer schneller winkt, kommt besser an

Winkerkrabben bewegen ihre Scheren häufiger, wenn Nebenbuhler anwesend sind
Winkerkrabbe (Uca pugnax)
Winkerkrabbe (Uca pugnax)
© U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration
Canberra (Australien) - Männliche Winkerkrabben winken mit ihrer vergrößerten Schere, um Weibchen in ihre Höhle zu locken. Sind keine Nebenbuhler in der Nähe, strengen sie sich bei der Brautwerbung deutlich weniger an, haben australische Biologen beobachtet. Das Winken kostet nicht nur Energie und Zeit, sondern kann auch Feinde anlocken. Daher hat sich offenbar im Lauf der Evolution ein Verhalten als vorteilhaft erwiesen, bei dem die Krabben keine unnötigen Nachteile in Kauf nehmen: Sie machen die Häufigkeit ihrer Winkbewegungen von der Zahl anwesender Rivalen abhängig. Zwar steigt die Paarungsbereitschaft der Weibchen mit der Winkfrequenz. Doch wenn Alternativen fehlen, reicht müdes Winken offenbar vollkommen aus, berichten die Forscher im Fachblatt "Biology Letters".

"Wir haben gezeigt, dass die Winkrate männlicher Krabben stark davon abhängig ist, ob und wie viele andere winkende Krabben in der Nähe sind", schreiben Richard Milner und seine Kollegen von der Australian National University in Canberra. Die Forscher beobachteten das Verhalten von Winkerkrabben (Uca annulipes) an der Küste von Sansibar. Während der Paarungszeit machen sich die Weibchen auf die Suche nach einem geeigneten Partner. Dabei legt eine Krabbe bis zu 28 Meter zurück und begutachtet etwa 24 Kandidaten. Männchen mit möglichst großen Scheren und hoher Winkfrequenz haben die besten Chancen. Aber erst wenn auch seine Wohnhöhle Anklang findet, steht der Paarung nichts mehr im Wege.

Die Männchen sind bei Weitem in der Überzahl und müssen sich gut in Szene setzen, um bei der Brautwerbung Erfolg zu haben. Die Forscher untersuchten nun, ob das Verhalten der Männchen beim Anblick eines Weibchens von der Zahl der Rivalen in unmittelbarer Nähe beeinflusst wird. Tatsächlich sank die Zahl der Winkbewegungen pro Minute um bis zu 30 Prozent, wenn die Konkurrenz ausblieb. Je größer die Zahl der Nebenbuhler, desto hektischer wurde das Winken. Es wäre auch denkbar gewesen, so die Forscher, dass die Männchen - ohne auf Rivalen zu achten - stets mit höchster Intensität winken würden, weil die Weibchen in der Minderheit und sehr wählerisch sind. Doch die Resultate zeigen, dass die biologischen Kosten dieses Verhaltens wohl höher wären als der Nutzen.

© Wissenschaft aktuell
Quelle: "Keeping up appearances: male fiddler crabs wave faster in a crowd", Richard N. C. Milner et al.; Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2011.0926


 

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