Wenn Amöben Bakterien aufs Gemüse spucken

Mithilfe von Amöben haften Bakterien besser am Blattgemüse
Cookeville (USA) - An Gemüse- und Salatblättern haften schleimige Amöben fester als Bakterien. Die Amöben selbst sind zwar harmlos. Sie könnten jedoch Bakterien beherbergen, die nach Verzehr der Blätter Darmerkrankungen auslösen würden, berichten amerikanische Forscher. In Laborversuchen konnten sie zeigen, dass Kolibakterien und Salmonellen in der Lage sind, das Gefressenwerden durch die Amöben zu überleben. Einige der Bakterien wurden lebendig wieder "ausgespuckt". Ob eine bakterielle Infektion durch Lebensmittel auf diesem Weg in der Praxis eine Rolle spielt, bleibt vorerst allerdings ungewiss, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Applied and Environmental Microbiology".

"Ich glaube, man wird sie niemals alle los. Amöben können wie Kleister festhaften", sagte Sharon Berk von der Tennessee Technological University in Cookeville gegenüber dem "New Scientist". Durch die üblichen Spüllösungen lassen sich die Einzeller nicht von den Blättern entfernen. Berk und ihre Kollegen fanden verschiedene Arten von Amöben in frischem Spinat und Salat, den sie im Lebensmittelladen gekauft hatten. Im Labor fütterten sie die Amöben mit Salmonellen und E. coli O157-Bakterien. Einen Teil dieser Erreger von Darminfektionen fanden die Forscher am nächsten Tag in Form kleiner Zellpakete außerhalb der Amöben. Nach Zugabe von Spinatextrakt vermehrten sich die Bakterien wieder.

Bisher wurden in untersuchten Gemüse- und Salatproben noch keine Krankheitserreger im Innern von Amöben entdeckt. Es dürfte schwierig sein nachzuweisen, so Berk, ob eine Kontamination von Lebensmitteln mit Bakterien in Amöben für einen Ausbruch von Infektionen verantwortlich sein kann. Weitere Kontrolluntersuchungen müssten zeigen, wie groß die mögliche Gefährdung wirklich ist.

New Scientist
Quelle: "Interactions between Food-Borne Pathogens and Protozoa Isolated from Lettuce and Spinach", Poornima Gourabathini et al., Applied and Environmental Microbiology, 2008, Vol. 74, No. 8, p. 2518, DOI: 10.1128/aem.02709-07


 

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