Wassersportler: Lauter als gedacht

Auch Schwimmer, Kajakfahrer und Taucher erzeugen deutliche und charakteristische Geräusche, die Meerestiere hören können
Beim Tauchen entsteht eine große Wolke aus Luftbläschen - und entsprechender Lärm unter Wasser.
Beim Tauchen entsteht eine große Wolke aus Luftbläschen - und entsprechender Lärm unter Wasser.
© Centre for Marine Science & Technology
Minneapolis (USA)/Perth (Australien) - Unter Wasser ist es ganz schön laut. Dass etwa Ozeanriesen und Kreuzfahrtschiffe ordentlich Lärm veranstalten und selbst in vielen Kilometern Entfernung eine Vielzahl von Meeresbewohnern belästigen oder im Extremfall sogar empfindlich stören können, ist eine bekannte Tatsache. Doch selbst vermeintlich leise menschliche Aktivitäten wie Schwimmen, Tauchen oder Kajakfahren machen mitunter überraschend viel Krach, haben australische Wissenschaftler beobachtet. Schuld sind viele kleine Luftbläschen, die an der Wasseroberfläche entstehen und nach unten gepresst werden. Ein spannendes Detail der Arbeit, die die Forscher auf einem Treffen der „Acoustical Society of America” in Minneapolis vorstellten: Häufig verursachen die Wassersportler ganz charakteristische akustische Muster, an denen sie eindeutig zu erkennen sind.

„Menschen erzeugen Lärm unter Wasser, in dem Moment, in dem sie ins Wasser gehen”, erläutert Christine Erbe vom Centre for Marine Science & Technology an der Curtin University in Perth. „Viele Leute realisieren gar nicht, dass Geräusche unter Wasser extrem gut und weit getragen werden – man kann einzelne Schiffe noch in hunderten Kilometern Entfernung hören.” Da viele Meeresbewohner auf ihren Hörsinn angewiesen sind, etwa für Orientierung, Futter- und Partnersuche, kann von Menschen erzeugter Krach in den Ozeanen sie stark beeinträchtigen. Erbe und ihre Kollegen hatten mit Unterwassermikrofonen und gleichzeitigen Videoaufzeichnungen untersucht, welche Geräusche bei vermeintlich leisen Wassersportarten entstehen und waren überrascht, wie laut sie sind. Sie maßen Pegel von 110 bis 131 Dezibel. Zum Vergleich: Eine Kettensäge in etwa einem Meter Entfernung erzeugt etwa 110 Dezibel.

„Wir konnten spezielle Geräusche entsprechenden Aktivitäten zuordnen – darunter unterschiedlichen Schwimmstilen, Tauchen, Kajakfahren und Tauchen mit Gerät”, erzählt Erbe. „Es stellte sich heraus, dass die meisten Geräusche mit Luftblasen zusammenhängen, die an der Wasseroberfläche erzeugt werden. Jedes Mal, wenn Arme beim Kraulen die Oberfläche durchbrechen, wird eine Wolke aus Luftblasen unter Wasser gedrückt, die vibriert und eine akustische Welle aussendet.” Beim Brustschwimmen entsteht entsprechend weniger Lärm. Kajakfahren und Tauchen mit Gerät erzeugen wieder ganz andere, ebenfalls charakteristische Geräusche: Wenn das Wasser vom Paddel tropft, hört man auch unter Wasser ein hochfrequentes Tropfen, das leicht wiederzuerkennen ist. Und beim Tauchen mit Gerät ist der Rhythmus von Ein- und Ausatmen klar erkennbar.

Doch selbst beim gleichen Schwimmstil fanden sich individuelle Muster, an denen die Forscher den einzelnen Schwimmer allein anhand des Geräusches erkennen konnten. „Manche schwimmen mit viel mehr Kraft als andere”, erläutert Erbe. „Manche Schwimmer zum Beispiel erzeugen mehr Energie senkrecht nach unten und drücken dabei große und laute Luftblasenwolken unter Wasser. Andere setzen ihre Energie mehr für den Vortrieb ein und verursachen weit weniger Luftblasenlärm unter sich.” Erbe und ihre Kollegen gehen davon aus, dass nichtmotorisierte Wassersportarten Meeresbewohner vermutlich nicht beeinträchtigen. „Aber”, so die Forscherin, „die Geräusche sind laut genug, dass Tiere sie hören können.”

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