Waisenhäuser für Eichhörnchen?
"Wir haben entdeckt, dass Verwandtschaft eine entscheidende Rolle dabei spielt, ob ein benachbartes Eichhörnchen adoptiert wird oder nicht", erklärt Andrew McAdam von der University of Guelph. "Eichhörnchen werden ein verwaistes Junges nur dann adoptieren, wenn die Kosten der Adoption gering sind und die Waisen einen großen Prozentsatz der eigenen Gene haben. Das ist bei Geschwistern, Nichten oder Neffen eher der Fall als bei weiter entfernten Verwandten." Bei Gemeinen Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus) hatten McAdam und seine Kollegen über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren Verhaltensweisen in beinahe 55.000 Fällen aufgezeichnet. In mehr als 2000 Würfen konnten die Biologen 34 Konstellationen für eine denkbare Adoption ausmachen. Überhaupt möglich ist dies nur dann, wenn eine Mutter stirbt und eine benachbarte Eichhörnchenmutter ebenfalls säugt.
In lediglich fünf Fällen fand tatsächlich eine Adoption statt. Dabei waren die Jungen ausschließlich Nichten, Neffen, Geschwister oder Enkel. Diejenigen Weibchen, die sich eines Waisenkindes annahmen, brachten mit der Adoption zumindest einen Teil der eigenen Gene weiter. Der Nutzen der Adoption überwog damit die mit ihr verbundenen Kosten, wenn die Verwandtschaft nur eng genug war, konnten die Biologen beobachten. "Wir vermuten, wenn sie Junge auf ihrem Territorium finden, erinnern sie sich daran, dass der Nachbar mit ihnen verwandt war, und tragen dann die Jungen in ihr eigenes Nest", erläutert McAdam. "Dies wäre ein ziemlich intelligentes Verhalten für ein Eichhörnchen."
