Waisenhäuser für Eichhörnchen?

Selten kommt es vor, dass die Nager Waisen adoptieren und dann nur aus der nahen Verwandtschaft
Das Gemeine Rothörnchen: Tamiasciurus hudsonicus
Das Gemeine Rothörnchen: Tamiasciurus hudsonicus
© U.S. Fish and Wildlife Service, Donna Dewhurst
Guelph (Kanada)/Edmonton (USA) - Eichhörnchen haben mitunter eine überraschend soziale Ader: Unter ganz bestimmten Umständen adoptieren die Einzelgänger, die sich sonst eher wenig sozial gegenüber ihren Artgenossen verhalten und massiv ihre Reviergrenzen verteidigen, tatsächlich ein Waisenkind. Voraussetzung ist allerdings, es muss sich um nahe Verwandte handeln, hat ein amerikanisch-kanadisches Forscherteam bei den possierlichen Nagern beobachtet. Dieses Verhalten zeigt, dass die Tiere in der Lage sind, ihre eigenen Verwandten zu erkennen, obwohl sie sonst eher ungesellig und kontaktscheu sind, berichten die Biologen im Fachblatt "Nature Communications".

"Wir haben entdeckt, dass Verwandtschaft eine entscheidende Rolle dabei spielt, ob ein benachbartes Eichhörnchen adoptiert wird oder nicht", erklärt Andrew McAdam von der University of Guelph. "Eichhörnchen werden ein verwaistes Junges nur dann adoptieren, wenn die Kosten der Adoption gering sind und die Waisen einen großen Prozentsatz der eigenen Gene haben. Das ist bei Geschwistern, Nichten oder Neffen eher der Fall als bei weiter entfernten Verwandten." Bei Gemeinen Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus) hatten McAdam und seine Kollegen über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren Verhaltensweisen in beinahe 55.000 Fällen aufgezeichnet. In mehr als 2000 Würfen konnten die Biologen 34 Konstellationen für eine denkbare Adoption ausmachen. Überhaupt möglich ist dies nur dann, wenn eine Mutter stirbt und eine benachbarte Eichhörnchenmutter ebenfalls säugt.

In lediglich fünf Fällen fand tatsächlich eine Adoption statt. Dabei waren die Jungen ausschließlich Nichten, Neffen, Geschwister oder Enkel. Diejenigen Weibchen, die sich eines Waisenkindes annahmen, brachten mit der Adoption zumindest einen Teil der eigenen Gene weiter. Der Nutzen der Adoption überwog damit die mit ihr verbundenen Kosten, wenn die Verwandtschaft nur eng genug war, konnten die Biologen beobachten. "Wir vermuten, wenn sie Junge auf ihrem Territorium finden, erinnern sie sich daran, dass der Nachbar mit ihnen verwandt war, und tragen dann die Jungen in ihr eigenes Nest", erläutert McAdam. "Dies wäre ein ziemlich intelligentes Verhalten für ein Eichhörnchen."

(c) Wissenschaft aktuell
Quelle: "Adopting kin enhances inclusive fitness in asocial red squirrels", Jamieson C. Gorrell, Andrew McAdam et al.; Nature Communications (DOI: 10.1038/ncomms1022)


 

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