Smartphones warnen vor Erdbeben

Beschleunigungssensoren liefern Datenbasis für eine kurze, aber lebensrettende Vorwarnzeit
In diesen Regionen warnen Smartphones vor Erdbeben.
In diesen Regionen warnen Smartphones vor Erdbeben.
© Google
Mountain View (USA) - Schon wenige Sekunden Vorwarnzeit können bei starken Erdbeben Leben retten. In besonders gefährdeten Regionen wie Kalifornien oder Japan liefern staatliche Netzwerke aus Bebensensoren – besonders empfindliche Geophone – schnell und zuverlässig Daten über die gefährlichen Erschütterungen. Doch in Südostasien zwischen Thailand, Myanmar, Indonesien und den Phillippinen sind diese Sensornetzwerke nur spärlich ausgebaut. Hier können einfache Smartphones helfen. Forschende des Google-Konzerns entwickelten mit Unterstützung amerikanischer Seismologen ein Warnsystem, das die Beschleunigungssensoren in den Mobiltelefonen nutzt. In der Fachzeitschrift „Science“ berichten sie nun, dass die Smartphone-Daten trotz der geringen Empfindlichkeit der Sensoren tatsächlich für eine effiziente und glaubwürdige Bebenwarnung geeignet sind.

In mittlerweile 98 Staaten haben mehrere Millionen Menschen das Vorwarnsystem „Android Earthquake Alerts (AEA)“ auf ihren Smartphones mit dem Betriebssystem Android installiert. Diese Telefone liefern einerseits die Bewegungsdaten für den Nachweis von Erdbeben und empfangen andererseits wenige Sekunden bis zu einer Minuten vor einem schwerem Beben ein Warnsignal. Grundlage für die Warnung ist der Unterschied in der Laufzeit von schnellen Primärwellen und etwas langsameren Sekundärwellen, die sich nach einem Beben durch den Erdkörper ausbreiten. Diese Zeit reicht gerade aus, um sich zu ducken oder unter einen Tisch zu kriechen, um nicht vor herabfallenden Gegenständen verletzt zu werden.

In den ersten drei Betriebsjahren zwischen dem 1. April 2021 und dem 31. März 2024 identifizierte das Smartphone-System durchschnittlich 312 Beben pro Monat mit Magnituden zwischen 1,9 und 7,8. Warnungen wurden bei stärkeren Beben ab Magnitude 4,5 ausgesendet. Das entsprach etwa 60 Beben und Warnungen auf 18 Millionen Smartphones pro Monat. Insgesamt summierte sich die Anzahl der Erdbeben mit einer Warnung auf 1279 Ereignisse. Dabei war die Zuverlässigkeit sehr hoch. Denn nur dreimal wurde ein Fehlalarm ausgelöst, verursacht durch falsch interpretierte Bewegungsdaten beispielsweise während eines Wirbelsturms. Die stärksten nachgewiesenen Erdbeben ereigneten sich am 6. Februar 2023 in der Türkei. Sowohl das Pazarcik-Beben mit Magnitude 7,8 und das Elbistan-Beben mit Magnitude 7,5 konnte das AEA-System erkennen und Warnsignale wenige Sekunden bis zu einer Minuten an die Smartphone-Nutzenden senden.

Fortlaufend optimieren die Forschenden den Algorithmus, mit denen die Smartphone-Daten ausgewertet werden, um sowohl Fehlalarme zu vermeiden als auch die Lokalisierung der Epizentren der Beben genauer bestimmen zu können. Doch schon heute ist die Akzeptanz sehr hoch wie eine Nutzer-Befragung ergeben hat. So halten 85 Prozent das System für sehr hilfreich. 84 Prozent wollen die Warnungen des AEA-Systems ernster nehmen gegenüber drei Prozent, die den Warnungen weniger vertrauen wollen. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass in Zukunft immer mehr Smartphone-Nutzende das Nachweis- und Vorwarnsystem auf ihren Geräten installieren werden.

https://www.eurekalert.org/multimedia/1082321

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