Schwer vorhersehbar: Die Pfade der Wüstenspringmaus

Der Fluchtverlauf von Springmäusen ist im Gegensatz zu dem von Rennmäusen kaum im Voraus abzusehen – ein Vorteil beim Entkommen vor Räubern
Die Fluchtwege von Springmäusen sind völlig unberechenbar.
Die Fluchtwege von Springmäusen sind völlig unberechenbar.
© Talia Moore, Harvard University
Valencia (Spanien) - Äußerst sprunghaft sind sie – im wahrsten Sinne des Wortes: Springmäuse. Angesichts ihrer Laufleistungen würde Speedy Gonzales womöglich vor Neid erblassen – nicht unbedingt wegen purer Geschwindigkeit, aber wegen äußerst geschickter Fluchtwegplanung. Auf zwei Beinen flitzen, springen und hüpfen die flinken Nager derart unberechenbar voran, dass kaum vorhersehbar ist, welche Strecke genau sie nehmen und an welchem Ort sie in der nächsten Sekunde sein werden. Das verschafft ihnen einen entscheidenden Vorteil auf der Flucht vor Jägern und vermutlich deshalb gelingt es ihnen, denselben Lebensraum einzunehmen wie ihre vierbeinig flüchtenden Verwandten, die Rennmäuse. Das berichteten US-Biologen auf der Jahrestagung der Society for Experimental Biology in Valencia, nachdem sie die Laufcharakteristika der Springer und Renner miteinander verglichen hatten.

„Zweifüßige Springmäuse und vierfüßige Rennmäuse teilen sich dasselbe Habitat, Räuber, Futterquellen und aktive Stunden des Tages“, erläuterte Talia Moore von der Harvard University. „Es scheint, dass ihre unterschiedlichen Fortbewegungsformen unterschiedliche Fähigkeiten erschaffen, vor Räubern zu flüchten. Dies erlaubt es den Springmäusen, weiter von ihren Bauten entfernt nach Futter zu suchen, was wiederum die Konkurrenz zwischen den Arten beschränkt.“ Auf diese Weise könnten diese Altwelt-Nager unterschiedliche Nischen im selben Lebensraum besetzen, so die Biologin. Gemeinsam mit ihren Kollegen hatte Moore die Fortbewegungsmuster von Spring- und Rennmäusen analysiert. Die Forscher sammelten dazu nicht nur Daten zu Muskelaufbau und bei den Sprüngen auftretenden Kräften bei der Kleinen Wüstenspringmaus (Jaculus jaculus). Darüber hinaus wollten sie das Fluchtverhalten von Renn- und Springmäusen unter natürlichen Bedingungen miteinander vergleichen. Dazu filmten sie in Feldversuchen den Verlauf von Wegen von Mittagsrennmaus (Meriones meridianus) und dem Kleinen Pferdespringer (Allactaga elater).

Es stellte sich heraus: Die Wege der rennenden Vierbeiner sind verglichen mit denen der springenden Zweibeiner leicht durchschaubar. Rennmäuse rennen relativ geradeaus. Bei Springmäusen ist das völlig anders: Sie setzen bei der Fortbewegung eine komplexe Zusammenstellung aus diversen Sprüngen ein. So flitzen sie mal ein Stück geradeaus, mal im Zick-Zack und dann wieder völlig unerwartet im Kreis. Dieses unberechenbare Fluchtverhalten dürfte jeden Räuber, der auf leichte Beute hofft, ziemlich frustrieren.

© Wissenschaft aktuell
Quelle: „Locomotor adaptations of Old World desert rodents”, Talia Y Moore et al.; SEB Valencia 2013, Präsentation A1.49 (14:45 Saturday 6th July 2013)


 

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