Mehr Wetterextreme in der Arktis
Grundlage für diese Analyse bildet ein einmaliger Satz meteorologischer Daten – ERA5 genannt –, der die vergangenen siebzig Jahre umfasst. Er basiert auf zahlreichen Wetterbeobachtungen, Satellitenbildern und ergänzenden computergestützten Modellen. Das Team um Juha Aalto vom Meteorologischen Institut Finnlands nutzte diese Daten, um mehr als zehn biologisch relevante Wetterphänomene zu verfolgen – von der Länge der Schneesaison über das Auftreten von Frost während der Wachstumsphase bis zu Hitzewellen und Trockenperioden.
Ihr Ergebnis: Fast alle Wetterextreme treten seit den 1950er-Jahren etwa dreimal häufiger auf – mit einer besonders starken Zunahme der Ereignisse in den vergangenen 30 Jahren. Dabei gibt es regional jedoch große Unterschiede. So sind die Skandinavischen Berge, die Küsten Grönlands und die kanadische Hocharktis stärker betroffen als Sibirien oder das grönländische Binnenland.
Um die Gefahren zu verdeutlichen, die von diesen Wetterextremen ausgehen, führen Aalto und sein Team mehrere Beispiele an. Regenfälle auf schneebedeckter Oberfläche haben tiefgreifende Folgen für arktische Wildtiere. Fällt Regen auf Schnee und gefriert danach, entsteht eine Eiskruste, die Rentiere und Moschusochsen vom Futter abschneidet; zugleich werden ihre Hufe beschädigt. Kurze Wärmephasen lassen im Winter die isolierende Schneedecke schmelzen. Pflanzen sind danach kommenden Frostnächten ungeschützt ausgesetzt und können schlicht erfrieren. Zudem führt eine verkürzte Schneesaison zu gefährlichem Wassermangel im Frühjahr, da es an ausreichenden Mengen an Schmelzwasser mangelt.
Die drastische Zunahme an Wetterextremen selbst in bis vor wenigen Jahren kaum betroffenen Regionen könnte nach Aussage der Forschenden zu großflächigen Zusammenbrüchen von Populationen und zum Absterben von Vegetation führen. Denn der bioklimatische Wandel geschieht für das fragile arktische Ökosystem viel zu schnell, um sich auf natürlichem Wege daran anpassen zu können.
