Immunreaktion kann Übertragung von Malaria verhindern

Manche Infizierte produzieren spezielle Antikörper, die mit der Blutmahlzeit in die Mücke gelangen und dort die Vermehrung der Erreger blockieren
Malariamücke Anopheles gambiae bei der Blutmahlzeit
Malariamücke Anopheles gambiae bei der Blutmahlzeit
© James Gathany / Centers for Disease Control and Prevention / public domain
Nijmegen (Niederlande) - An Malaria erkrankte Menschen dienen als Erregerreservoir: Beim nächsten Stich nehmen Anophelesmücken die einzelligen Parasiten auf und übertragen sie auf andere Menschen. So kann ein einzelner Malariapatient zur Infektion von mehr als hundert weiteren Personen beitragen. Doch bei einem kleinen Teil der Infizierten lösen die Geschlechtsformen der Parasiten die Produktion spezieller Antikörper aus. Wenn diese mit der Blutmahlzeit in den Darm einer Mücke gelangen, blockieren sie die weitere Entwicklung der Erreger, wie ein internationales Forscherteam jetzt berichtet. Die Wissenschaftler konnten mehrere Proteine von sogenannten Gametozyten der Malariaparasiten identifizieren, die das Immunsystem dazu anregen, solche Antikörper zu produzieren. Somit wäre eine Impfung denkbar, die zwar nicht vor einer Infektion schützt, aber eine Übertragung der Tropenkrankheit blockieren würde, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature Communications“.

„Wir konnten erstmals direkt nachweisen, dass menschliche Antikörper, die gegen Proteine von Malariaparasiten gerichtet sind, die Übertragung der Krankheit verhindern können“, sagt Teun Bousema vom Radboud Institute for Health Sciences in Nimwegen, einer der leitenden Wissenschaftler der Arbeitsgruppe. Die Forscher untersuchten Blutproben von 648 Menschen, die in den vergangenen Jahren mindestens einmal mit dem Malariaerreger Plasmodium falciparum infiziert worden waren. Während der Erkrankung befallen die als Merozoiten bezeichneten Zellformen der Plasmodien die roten Blutkörperchen und vermehren sich asexuell. Einige Merozoiten entwickeln sich zu männlichen und weiblichen Gametozyten, die von einer Anophelesmücke beim Blutsaugen aufgenommen werden müssen, damit sich der Lebenskreislauf der Parasiten schließt. Die einzelnen Blutproben enthielten sehr unterschiedliche Mengen an Gametozyten. In Fütterungsexperimenten wurde daher nur ein Teil der Mücken infiziert und so zu potentiellen Krankheitsüberträgern.

Die Forscher überprüften, ob die Blutspender Antikörper gegen Proteine der Gametozyten gebildet hatten. Tatsächlich konnten sie solche Immunglobuline gegen 45 von mehr als 300 getesteten Proteinen identifizieren. Wenn Anophelesmücken mit infektiösem Blut gefüttert wurden, dem diese Antikörper zugesetzt waren, sank die Überlebensrate der Parasiten im Darm der Insekten. Offenbar verhinderten die mit dem Blut aufgenommenen Antikörper die Vermehrung der Gametozyten in der Mücke und damit die Übertragung der Malaria. Insgesamt reichte die Menge an solchen Antikörpern aber nur bei 3,3 Prozent der Blutproben aus, um diese Wirkung zu erzielen. Im Blut holländischer Tropenrückkehrer, die während ihres Aufenthalts in Afrika mehrfache Malariainfektionen erlitten hatten, war der Gehalt an Antikörpern, die eine Malariaübertragung hemmen, besonders hoch.

Die Immunreaktion gegen die Gametozyten könnte man als „altruistisch“ bezeichnen. Sie schützt nicht gegen eine erneute Infektion, da sich die Parasiten in der Mücke zu anderen Zellformen weiterentwickeln, die beim Stich übertragen werden. Vielmehr schützt die Produktion der Antikörper andere Menschen davor, infiziert zu werden. Das aber könnte nach Ansicht der Forscher eine spezielle Form der Impfung ermöglichen: Eine Impfung mit Proteinen der Gametozyten, würde die Übertragung von Malariaerregern verhindern und so die Zahl der Neuerkrankungen verringern.

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