Herzversagen: Zeitpunkt der Einlieferung entscheidend

Wer nachts, freitags oder im Januar ins Krankenhaus muss, hat eine längere Aufenthaltsdauer und schlechtere Überlebenschancen
Lissabon (Portugal) - Versagt das Herz, spielt es offenbar eine spürbare Rolle, wann genau jemand ins Krankenhaus eingeliefert wird: Erfolgt die Einweisung spätabends oder nachts, freitags oder im Januar, müssen Patienten tendenziell länger im Krankenhaus bleiben. Und auch um die Überlebenschancen ist es dann schlechter bestellt. Dies bestätigen die Ergebnisse einer großangelegten Langzeitstudie zumindest für die USA, berichteten Mediziner auf dem „Heart Failure Congress 2013“ in Lissabon. Sie hatten beinahe eine Millionen Fälle sogenannter Herzinsuffizienz aus einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren analysiert.

„Dass es Patienten schlechter geht und sie länger im Krankenhaus bleiben müssen, wenn sie direkt vor dem Wochenende und mitten in der Nacht eingeliefert werden, legt nahe, dass die Personalsituation einen Einfluss hat“, erläuterte David P. Kao von der University of Colorado in Denver. Zu wissen, welche Zeiträume bei medizinischen Notfällen besonders kritisch sind, kann helfen, die medizinische Versorgung besser zu organisieren und abzustimmen. Dass es bei Krankenhauseinlieferungen und -aufenthalten wegen Herzinsuffizienz zu monatlichen, wöchentlichen oder stündlichen Variationen kommt, ist schön häufiger beobachtet worden. Die genauen Ursachen aber waren bisher unklar.

In der aktuellen Studie hatten die Forscher bei insgesamt 949.907 Einweisungen ins Krankenhaus in den Jahren 1994 bis 2007 wegen Herzinsuffizienz analysiert. Sie untersuchten, welchen möglichen Einfluss Monat, Tag oder Tageszeit auf die Aufenthaltsdauer und die Sterblichkeit der Patienten hatten. Dabei schlossen sie eine größere Zahl an möglichen weiteren Einflussfaktoren ein als frühere Studien, darunter Geschlecht, andere Vorerkrankungen sowie Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Somit lassen sich manche Theorien zu den Ursachen der Unterschiede besser bestätigen oder widerlegen als zuvor.

Grundsätzlich stellte sich heraus, dass sich die Zahl der Einweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz während des Studienzeitraums erhöht hatte. Gleichzeitig waren aber die Dauer des Krankenhausaufenthalts sowie die Wahrscheinlichkeit, noch im Krankenhaus zu versterben, gesunken. Das bestätige laut Kao Fortschritte in der Therapie. Die Forscher fanden aber auch einige Spitzenwerte, was Aufenthaltsdauer und Sterblichkeit unter den Herzpatienten betrifft: Einen deutlich schwerwiegenderen Krankheitsverlauf hatten diejenigen, die im Januar, freitags und nachts zwischen 18 und 24 Uhr ins Krankenhaus mussten. Dagegen waren die Dauer des Aufenthalts und die Sterblichkeitsrate bei denjenigen besonders gering, die montags oder zwischen 6 und 12 Uhr eingeliefert wurden.

„Ärzte und Krankenhäuser müssen während dieser risikobehafteten Zeiträume aufmerksamer sein“, rät Kao. Sie sollten etwa absichern, dass die notwendigen Gerätschaften an Ort und Stelle sind, um mit den Anforderungen fertig werden zu können. Der saisonale Effekt blieb auch dann bestehen, als die Mediziner die anderen zeitlichen Aspekte Wochentag und Tageszeit und weitere Faktoren in ihre Berechnungen einbezogen. „Wir haben erstmals gezeigt, dass keine höhere Rate an Alkohol- oder Drogenmissbrauch von den Patienten im Dezember und Januar berichtet wurde, wenn die Sterblichkeit wegen Herzinsuffizienz am höchsten war“, sagte Kao. Saisonale Variationen bei Sterblichkeit gebe es bei vielen Krankheiten, ganz speziell bei Herzerkrankungen. „Das kalte Wetter selbst“, so der Mediziner, „kann dabei eine Rolle spielen.“

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Quelle: „Impact of day, month and hour of admission on inpatient outcomes in 949.907 hospitalizations for congestive heart failure”, Kao DP, Mcilvennan CK, Page RL, et al.; Heart Failure Congress 2013, Final Programme Number P1230


 

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