Evolution der Kolibris: Große Artenvielfalt in sehr kurzer Zeit

„Kolibris haben sich in ihrer 22 Millionen Jahre andauernden Geschichte eigentlich immer wieder neu erfunden“, sagt Jim McGuire von der University of California in Berkeley. „Eines der wirklich coolen Features der Kolibri-Evolution ist, dass sie alle dasselbe fressen und sich dennoch außerordentlich differenziert haben. Es ist wirklich eine große Überraschung, dass Kolibris die nektarvore Nische so umfangreich erobert haben.“ Die Biologen hatten anhand von Erbgutanalysen von 436 Exemplaren aus 284 Arten den Stammbaum dieser Vögel rekonstruiert.
Sie gehen davon aus, dass sich die Kolibris vor rund 42 Millionen Jahren von den Seglern trennten. Das Alter des jüngsten gemeinsamen Vorfahren aller heute existierenden Kolibris schätzen sie auf 22,4 Millionen Jahre. Für eine Familie mit solch großer Vielfalt sei dies ein bemerkenswert junges Alter, schreiben die Forscher. Ursprünglich stammten die Vorfahren der Kolibris wohl aus Eurasien, nehmen sie an. Erst mit der Besiedlung von Südamerika, die schätzungsweise vor zwischen 40 und 22 Millionen Jahren stattfand, begann vermutlich die – für evolutionäre Verhältnisse – rasche Differenzierung in rund 340 Arten: zunächst dort, später auch in Nordamerika und schließlich vor rund 5 Millionen Jahren auch in der Karibik. „Unsere Ergebnisse legen stark nahe, dass Kolibris immer noch in einem dynamischen Diversifikationsprozess bleiben, vorhandene ökologische und räumliche Nischen quer durch Nord- und Südamerika und die Karibik besetzen“, schreiben McGuire und Kollegen. „Folglich ist die dramatische Auffächerung dieser einzigartigen Vogellinie weit davon entfernt komplett zu sein.“