Britische Bioethiker: Kein Biotreibstoff ohne Menschenrechte

"Der schnelle Ausbau der Biotreibstoff-Produktion hat in Entwicklungsländern zu Problem wie Entwaldung und der Vertreibung indigener Stämme geführt", sagt Ottoline Leyser, eine Autorin der Mahnung, die morgen in der Zeitschrift Science erscheinen wird. Dabei hat der Text vor allem den Anbau von Palmöl-Plantagen in den Regenwäldern Südamerikas und im pazifischen Raum im Blick. Die Gewinnung von Bioethanol aus Zuckerrohr oder Weizen steht zudem im starken Verdacht, die Nahrungsmittelpreise in die Höhe zu treiben. Die Folge: mehr Hunger vor allem in den ärmeren Ländern der Erde.
Da die Biotreibstoff-Produktion dennoch in den kommenden Jahren stark zunehmen wird, stellte der Nuffield Council fünf Verhaltensregeln auf. So darf der Anbau von Energiepflanzen nicht auf Kosten der Menschenrechte und der Umwelt erfolgen. Die tatsächliche Reduktion des Treibhausgasausstoßes muss genauer beurteilt werden. Zudem sollte der Handel mit Ethanol, Raps- oder Palmöldiesel nach fairen Prinzipien verlaufen, so dass Kosten und Gewinne gerecht verteilt werden können.
"Diese ethischen Bedingungen sollte durch ein Zertifikat-System, ähnlich wie die 'Fair Trade'-Initiative für Kaffee und Kakao, gestärkt werden", sagt Joyce Tait, die Leiterin der Bioethik-Untersuchung. Europa könnte dabei die grundlegenden Standards als erstes festlegen und so die übrige Welt zur Nachahmung motivieren. Auch neue Technologien für nachhaltigere Biotreibstoffe aus Ernteresten oder Algenfarmen sollten schnell weiter entwickelt werden. Denn Biotreibstoffe, die ethisch einwandfrei produziert würden, hätten laut Tait ein großes Potenzial, könnten allein aber die anstehenden Probleme nicht lösen.
Das Memorandum veröffentlichten die Wissenschaftler auf ihrer Internetseite (www.nuffieldbioethics.org) und laden Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Interessierte zur weiteren Diskussion des Themas ein.
"Ethical Framework for Biofuels", A. Buyx et al.; Science, doi 10.1126/science.1206064