Alarm per Flügelschlag

Eine einzelne Feder im Taubenflügel erzeugt beim Auffliegen ein schrilles Signal, das Artgenossen warnt
Spitzschopftaube (Ochyphaps lophotes) im Flug
Spitzschopftaube (Ochyphaps lophotes) im Flug
© Geoffrey Dabb
Canberra (Australien) - Spezifische Alarmrufe sind wohl der klassische Weg, über den Tiere diverser Spezies Artgenossen vor Gefahren warnen. Bei der Spitzschopftaube haben australische Forscher jetzt einen bereits seit langem vermuteten anderen – nicht stimmlichen – Mechanismus nachgewiesen, der als akustisches Warnsignal fungiert: Eine der großen Schwungfedern am Flügelende erzeugt beim Auffliegen einen charakteristischen, hell klingenden Laut, berichten die Biologen im Fachblatt „Current Biology”. Und in dem Moment, in dem die Tauben schneller flattern, um einem Räuber zu entkommen, gewinnt auch das Geräusch automatisch an Tempo und wird zum schrillen Alarmsignal. Die Forscher konnten belegen, dass es sich nicht um einen bedeutungslosen Nebeneffekt handelt, sondern um ein effektives Signal. Denn Artgenossen, die das Geräusch hören, reagieren ebenfalls mit Flucht.

„Spitzschopftauben signalisieren Gefahr mit geräuschvollen Flügeln, nicht mit der Stimme”, erzählt Erstautor Trevor Murray von der Australian National University in Canberra. „Das zeigt, dass Vögel ihre Federn tatsächlich wie ein 'Musikinstrument' nutzen können, um mit anderen zu kommunizieren.” Bereits Charles Darwin hatte vor rund 150 Jahren vermutet, dass es solche von der Stimme unabhängige Kommunikationswege im Tierreich gibt. Dies zu belegen, hatte sich allerdings bislang als nicht ganz so einfach erwiesen. Murray und seine Kollegen waren der Spitzschopftaube (Ochyphaps lophotes), einer australischen Taubenart, nun zu Leibe gerückt. Sie setzten Videoaufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskameras ein sowie Tonaufzeichungen und Experimente, in denen sie einzelne Flügelfedern entfernten, um zu untersuchen, ob das charakteristische Pfeifen tatsächlich ein gezieltes Warnsignal ist und wie es zustande kommt.

Beim Fliegen erzeugen die Flügel abwechselnd höhere und tiefere Töne. Als sie jeweils einzelne Federn aus der Schwinge entfernten, stellten die Forscher fest: Die achte der zehn Schwungfedern erzeugt den schrillen Ton, während die neunte für die tiefen Frequenzen verantwortlich ist. In weiteren Versuchen spielten die Biologen Spitzschopftauben die unterschiedlichen aufgezeichneten Fluggeräusche vor. Die Beobachtungen belegen: Der schrille Ton ist ausschlaggebend. Denn die Tiere zeigten deutlich häufiger eine Fluchtreaktion, wenn sie dem Flug einer Taube mit intakter achter Schwungfeder lauschten. Hörten sie dagegen den Flug einer Taube, bei der die achte Schwungfeder fehlte, schauten sie sich nur kurz um.

Spitzschopftauben sind nicht die einzigen Vögel, die auffällige Laute beim Fliegen erzeugen. Tauben fliegen generell recht lautstark und auch Kolibris und Schnurrvögel legen einen geräuschvollen Flug an den Tag. Die Biologen gehen daher davon aus, dass vergleichbare Mechanismen auch bei anderen Vogelarten vorhanden sein dürften, und hoffen, dass in weiteren Studien die Evolution dieses Phänomens näher untersucht wird.

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