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Wasser - ein ganz besonderer Stoff

Zwei Wasserstoff- und ein Sauerstoff-Atom: Auf den ersten Blick ist Wasser ein ganz simpler Stoff. Doch bis heute beißen sich die Forscher an den merkwürdigen Eigenschaften des Wassers die Zähne aus. 63 Besonderheiten listet etwa der britische Wasserforscher Martin Chaplin, Professor für Chemie an der London South Bank University, auf seiner Website für das klare Nass auf. Es sind oftmals gerade diese Anomalien, die Wasser zu einer so nützlichen Substanz in Chemie und Technik machen - und ohne die auf der Erde kein Leben möglich wäre.
"Das Faszinierende am Wasser ist, dass sich nahezu keine
Eigenschaft dieses Stoffs mit einfachen Überlegungen herleiten lässt", sagt
Chaplin. Versucht man beispielsweise, Gefrier- und Siedepunkt des Wasser aus
einem Vergleich mit anderen Wasserstoff-Verbindungen zu extrapolieren, so
erhält man Temperaturen von etwa minus 100 Grad und minus 50 Grad Celsius - 100
bzw. 150 Grad niedriger als es tatsächlich der Fall ist. "Wasser sollte also
eigentlich bei normaler Raumtemperatur gasförmig sein", so Chaplin.
Am bekanntesten ist wohl die Dichteanomalie des Wassers: Es
hat bei einer Temperatur von plus 4 Grad seine höchste Dichte. Es wird also
sowohl bei Erwärmung, als auch bei Abkühlung leichter. Dadurch schwimmt - unter
irdischen Bedingungen - Eis auf flüssigem Wasser und Seen frieren von oben nach
unten zu, eine nicht ganz unwichtige Eigenschaft für Wasserlebewesen. Eine
weitere Anomalie ist die Wärmekapazität des Wassers - es ist die höchste aller
Flüssigkeiten. Deshalb sind die Ozeane so gute Wärmespeicher.
Eine wichtige Rolle bei vielen der seltsamen Eigenschaften spielt
die Struktur des Wassermoleküls: Die beiden Wasserstoff- und das Sauerstoffatom
bilden ein Dreieck, wobei die elektrischen Ladungen in dem Molekül
ungleichmäßig verteilt sind. Dadurch können sich Wassermoleküle gegenseitig
anziehen und so genannte Wasserstoffbrücken bilden: Die Moleküle lagern sich aneinander
an und bilden so unterschiedlichste Strukturen. Selbst in gewöhnlichem, flüssigem
Wasser bewegen sich die Moleküle nicht jedes für sich allein, sondern in Haufen,
so genannten Clustern. Neben Clustern enthält flüssiges Wasser auch noch verschiedene
Ionen - positiv geladene Wasserstoff-Ionen, negativ geladene OH-Ionen, aber
auch größere Molekülionen wie Oxonium (H3O+).
Zuerst erschienen in "explore: - Kundenmagazin des TÜV Nord"
