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Von Hammer, Messer und Brettchen - Werkzeuge im Wandel der Zeit

Im Laufe der Jahrtausende hat der Mensch eine Vielzahl an Werkzeugen und Techniken entwickelt - manche lange beinahe unverändert beibehalten, andere wieder vergessen

Das Brettchenweben ist eine sehr alte<br/>Handwerkskunst, bei der stabile Borten entstehen
Das Brettchenweben ist eine sehr alte
Handwerkskunst, bei der stabile Borten entstehen
© C. Dick-Pfaff

von Cornelia Dick-Pfaff



Werkzeuge haben im Laufe der Jahrtausende einen stetigen Wandel durchgemacht. Sie unterliegen einer permanenten Weiterentwicklung, werden zunehmend komplexer und stets verbessert. Bestanden die allerersten Hilfsmittel meist noch schlicht aus einem kaum bis gar nicht vom Menschen bearbeiteten Feuerstein oder einem Tierknochen, sind heutige Geräte häufig überaus komplex, wurden immer weiter spezialisiert und somit ihrem Zweck immer genauer angepasst. Das Wissen rund um Werkzeuge und deren Handhabung wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Und trotzdem gehen manche Kenntnisse oder gar ganze Techniken mitunter verloren oder geraten zumindest zeitweise in Vergessenheit.

 

 

Der Mensch kann nur deshalb Werkzeuge verwenden, weil sich seine Vorderextremitäten zu Händen ausgebildet haben, mit denen er die Instrumente greifen und benutzen kann. Die ältesten Werkzeuge, die den Vorfahren des modernen Menschen das Arbeiten erleichterten, entstanden bereits vor mehr als zwei Millionen Jahren, zu Beginn der Altsteinzeit. Diese dauerte bis etwa 8000 vor Christus und ist somit die längste Periode der Menschheitsgeschichte. Die Vorfahren des modernen Menschen verwendeten vermutlich einfache Steine, um ihre Arbeit zu erleichtern. Diese allerersten Werkzeuge, so genannte Eolithen, waren wenig oder überhaupt nicht bearbeitet und sind daher kaum als solche zu erkennen. So hatten die ersten Hämmer äußerlich nur wenig mit einem heutigen gemein, sondern waren eher ein schlichter Feuerstein, mit dem auf etwas herumgehämmert wurde. Außerdem handelte es sich vermutlich eher um Gelegenheitswerkzeuge – man fand zum Beispiel einen geeigneten Stein, nutzte ihn für einen akuten Zweck und verwarf ihn dann wieder.

 

Die ersten Werkzeuge, die diese Bezeichnung auch verdienen, da es sich um eindeutig für einen bestimmten Zweck bearbeitetes Gestein handelt, stammen ebenfalls noch aus der frühen Altsteinzeit. Der Prototyp war ein recht einfaches Gerät: der Faustkeil, dessen Anwendungsmöglichkeiten vielfältig waren. Man konnte mit diesem Allzweckgerät hämmern, schaben, stechen, graben oder sogar schneiden. Im Laufe der Zeit entwarf der Mensch dann aber spezifischere Werkzeuge, die eher einem bestimmten Zweck zugeordnet waren wie zum Beispiel hammer- oder messerähnliche Gegenstände. Nach und nach entwickelten sich die Geräte weiter. Man bemerkte zum Beispiel, dass es sich besser hämmert, wenn der Schlagkopf an einem Stiel befestigt ist und gab dieses Wissen auch an die Nachfahren weiter, die das Werkzeug dann wiederum verbesserten. Die meisten Werkzeuge haben sich so im Laufe der Jahrtausende immer weiter entwickelt, wurden verbessert und verfeinert. Auch die Materialien änderten sich: War Werkzeug anfänglich aus Stein, Holz, Knochen oder Geweih, lernte der Mensch später, Metalle zu verarbeiten und Instrumente aus Eisen und Bronze, später auch aus komplexeren Legierungen zu fertigen. Und heute können wir auf eine Vielzahl unterschiedlichster, zum Teil hochtechnischer Werkzeuge und Geräte zurückgreifen.

 

Doch geriet so manches Handwerk oder manche Technik auch in Vergessenheit, weil andere, effektivere Methoden deren Stelle einnahmen. So zum Beispiel die so genannte Brettchenweberei. Früher war dies eine über viele Kulturen verbreitete Webtechnik, mit der äußerst stabile, gemusterte Bänder gewebt wurden. Bereits 2500 vor Christus beherrschten die Völker Ägyptens und Vorderasiens die Brettchenweberei, wie Funde belegen. Ebenso sind Gewebe aus alter Zeit aus unseren Breitengraden und nordischen Gefilden wie Island und Skandinavien bekannt. Beim Brettchenweben ist kein großer Webrahmen oder -stuhl notwendig, zumindest nicht für schmalere Bänder. Die Kettfäden, die beim herkömmlichen Weben auf dem Webrahmen aufgespannt werden, werden vielmehr durch Löcher in kleinen Brettchen gefädelt – daher der Name. Diese Brettchen werden gedreht, wodurch sich die Fäden verzwirbeln und zwischen jede dieser Drehungen wird der Schussfaden eingelegt, was dem Gewebe die Struktur verleiht. Das eine Ende der Fäden wird beim Weben an einem beliebigen, feststehenden Gegenstand angeknotet, so dass die Fäden straff gespannt sind. Das andere Ende wird nah am Körper befestigt und dort wird gewebt.

 

Heute ist diese uralte Webart weitgehend unbekannt. Mit dem verstärkten Auftreten großer Webstühle geriet sie zunehmend in Vergessenheit. Und auch das Werkzeug wird den wenigsten geläufig sein: eine kleine Tafel oder ein kleines Brettchen, das drei- bis sechseckig ist, mit Löchern an den Ecken, aus unterschiedlichsten Materialien wie Holz, Leder, Pappe, Horn oder sogar Elfenbein und Metall. Das Wissen um diese Technik wäre beinahe sogar ganz verloren gegangen, doch wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt. Heute beherrschen nur noch Liebhaber diese Art zu weben. Und wie der Brettchenweberei ergeht es vielen alten Handwerken, die nur noch wenigen bekannt sind. Und wer weiß, wie viele Techniken unserer Vorfahren völlig in Vergessenheit geraten sind…



zuerst erschienen in explore:
Das Kundenmagazin der TÜV NORD Gruppe




 

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