Im Bilde

Polarfuchs und Co: Wetterextreme synchronisieren Populationsdynamik

Polarfuchs auf Spitzbergen
Polarfuchs auf Spitzbergen
© Brage Bremset Hansen
Extreme Wetterereignisse können die Geburts- und Sterberaten unterschiedlicher Arten miteinander in Einklang bringen. Das konnten norwegische Forscher im begrenzten Areal von Spitzbergen beobachten und berichten darüber in „Science“. In den harten Wintern bleiben auf der norwegischen Inselgruppe lediglich vier Wirbeltiere: das Spitzbergen-Ren, das Alpenschneehuhn, die Osteuropäische Feldmaus und der Polarfuchs, der sich von den anderen dreien ernährt. Wetterextreme wie winterlicher Eisregen, der die Schneedecke verhärtet und den Zugang zum Futter versperrt, synchronisieren Schwankungen der Populationsdichte aller vier Arten. Der Polarfuchs erlebt diese mit einem Jahr Verspätung.

„Die vorliegende Studie ist ein Indikator dafür, wie künftige Veränderungen des Klimas und extreme Ereignisse während des Winters dazu beitragen könnten, Stabilität und Funktionsweise eines Ökosystems in der Arktis zu formen“, schreiben Brage B. Hansen von der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim und seine Kollegen. Die Forscher hatten über Jahrzehnte hinweg die Populationsdynamik der vier auf Spitzbergen überwinternden Wirbeltierarten – Spitzbergen-Ren, Alpenschneehuhn, Osteuropäische Feldmaus und Polarfuchs – analysiert und mit den Aufzeichnungen einer lokalen Wetterstation verglichen.

Dass extreme Klimaereignisse die Dynamik der Populationsdichte innerhalb derselben Art zu synchronisieren vermögen, hatten bereits frühere Studien gezeigt. Bislang war aber unklar geblieben, ob dies auch artübergreifend geschieht. Die aktuelle Untersuchung belegt nun, dass dies tatsächlich möglich ist. Es spielt offenbar keine Rolle, ob sich eine Art sehr schnell reproduziert – wie die Feldmaus – oder sehr langsam – wie das Ren. Die Dynamik des Polarfuchses folgt dabei der seiner Beutetiere im Abstand von einem Jahr, zeigen die Analysen von Hansen und seinen Kollegen.

Den Hauptantrieb in dieser Synchronisation sehen die Forscher in heftigem Eisregen, der auf Schnee fällt, die Pflanzen vereist und damit die Pflanzenfresser im Winter von ihrer Nahrungsquelle abschneidet. Steht den Polarfüchsen in diesem Jahr noch reichlich Nahrung zur Verfügung, nicht zuletzt in Form verhungerter Rentier-Kadaver, sehen die Raubtiere im folgenden Jahr einer enormen Futterknappheit entgegen. Dies äußert sich dann in einer dezimierten Population. Vereisung sei ein Wettereignis, das es in der Arktis vermutlich häufiger geben wird, fassen Hansen und Kollegen zusammen, und das ihren Ergebnissen zufolge die Charakteristika der Ökosysteme stark beeinflussen könnte.

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