05. Juni 2013

Im Druck

Martin Bleif: Krebs – Die unsterbliche Krankheit

von Joachim Czichos

Jeder Mensch kann an Krebs erkranken, niemand kann sich davor schützen. Spätestens nach der Krebsdiagnose will der Patient Genaueres wissen über diese Krankheit. Wissen hilft gegen die Angst vor dem Unbekannten. Martin Bleif, der Autor des Buches „Krebs – Die unsterbliche Krankheit“, weiß nur zu gut, welche Fragen die Betroffenen auch über rein fachliche Informationen hinaus bewegen. Professor Bleif berichtet nicht nur als Radioonkologe über die Krankheit, die er behandelt. Er nimmt immer wieder auch die Perspektive des Patienten ein – vor allem einer Patientin, seiner Frau, die an Brustkrebs erkrankte und starb. Das Einbeziehen dieser seiner persönlichen Erfahrungen macht das Buch zu etwas Besonderem. „Die Fragen meiner Frau führen durch das Buch. Jedes Kapitel antwortet auf eine Frage, die sie mir im Lauf ihrer Krankheit gestellt hat.“

„Wie lange habe ich noch?“ – das sei gar nicht die wichtigste und häufigste Frage, die seine Patienten ihm stellen. „Warum gerade ich?“ – vor allem darauf erwarten sie eine Antwort. Dass es darauf aber keine Antwort geben kann, begreifen die an Krebs Erkrankten am ehesten, so der Autor, indem sie etwas über die Natur dieser Krankheit erfahren. Bleif will dem Patienten klar machen, dass es falsch ist, über persönliche Schuld nachzudenken. Denn der Zufall spiele die wichtigste Rolle bei der Krebsentstehung. Das machen die ersten Kapitel deutlich, die erklären, wieso Krebs so ganz verschiedenartige Ursachen haben kann. Gifte, Strahlung, Viren und vererbte Gene können die Krankheit auslösen. Krebs beruht auf defekten Genen. Indem Mutationen Kontrollmechanismen normaler Körperzellen aufheben, bewirken sie deren Verwandlung in unbegrenzt wachsende Krebszellen. Meist werden diese von der Immunabwehr frühzeitig als krankhaft erkannt und eliminiert. Krebs entsteht erst, wenn diese natürliche Abwehr versagt.

Solche grundlegenden Fakten vermittelt der Autor dem Leser, ohne in einen lehrbuchhaften Stil zu verfallen. Historischen Rückblicken, des Öfteren weiter ausholend, folgt man gern. Bei der nicht zu vermeidenden Darstellung molekularbiologischer Prozesse im Verlauf der Krebsentstehung geht es allerdings auch in Details, die mehr als biologisches Grundwissen voraussetzen. Solche „anspruchsvollen“ Textstellen im Buch sind aber eher die Ausnahme. Sehr leicht lesbar, ohne oberflächlich zu bleiben, sind beispielsweise die Ausführungen darüber, ob und wie sich über die Ernährung das Krebsrisiko beeinflussen lässt oder was die Methoden zur Krebsfrüherkennung heute leisten und was nicht.

Wenn er Diagnoseverfahren und Therapieformen erläutert, nutzt Bleif auch anschauliche Fallbeispiele aus seiner eigenen Tätigkeit. Sogar den „Wunderheilungen“ räumt er ein eigenes Kapitel ein. Er selbst habe während seiner 16-jährigen Tätigkeit unter 35.000 Krebsfällen zwei solcher medizinisch nicht erklärbaren Spontanheilungen erlebt: „Wunder gibt es – sehr, sehr selten“. Von „alternativen Krebstherapien“ hält der Autor allerdings nichts. Diese könnten keine echte Alternative zur Schulmedizin sein. Es gebe nur wirksame und unwirksame Therapien – und eben Wunderheilungen.

Ein ungewöhnliches Buch über den Krebs: Fachlich kompetent und stilsicher geschrieben – so leserfreundlich, wie es das ernste Thema erlaubt. Eine lohnende Lektüre für Patienten, deren Familienangehörige und Freunde. Eigentlich für alle.


Martin Bleif:
KREBS – Die unsterbliche Krankheit
Klett-Cotta, Stuttgart, 2013, 24,95 Euro, 528 Seiten
ISBN: 978-3-608-94594-2




 

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