Magazin
Erfolg ist Teamsache - hinter den Kulissen des Cern

Von
Dörte Saße
Stimmengewirr
und Vogelgezwitscher, im Hintergrund Blätterrauschen. Die Sonne zeichnet Muster
auf Plastikstühle, hie und da klingelt ein Handy. Englische Sprachfetzen,
französische, deutsche. Chinesische, russische, wieder englische. Neben lebhaft
gestikulierenden Studentengruppen brüten Einzelne überm Laptop, Kinder
schlürfen ihre Cola, Alt fachsimpelt mit Jung. Jeans und T-Shirt sind Standard
hier, hin und wieder ein Anzug, ein buntes indisches Gewand oder gar High
Hebels mit rosa Täschchen. In der Ferne ist bei gutem Wetter der Montblanc zu
sehen. Es ist entspannt, fast gemütlich auf der Terrasse vorm Restaurant Nr. 1.
Morgens ein Café, mittags Werkskantine und dann bis Mitternacht ein Biergarten.
Und
immer historischer Boden: Auf der berühmten CERN-Terrasse speisten und speisen
Nobelpreisträger. Hier wurde das World Wide Web ersonnen. Grundlagenforschung
bedeutet meist, unerklärliche Phänomene mit noch nicht vorhandenen Techniken zu
erforschen. Erst suchen die Theoretiker nach Erklärungen, dann entwerfen die
Praktiker Experimentatoren, um sie zu bestätigen.
Dazu
ist viel Denken und viel Diskutieren vonnöten, eher selten der Elfenbeinturm:
"Die typischen Durchbrüche kommen auf der Terrasse beim Kaffee", hat
Eva-Lotte Quattuor schon gelernt. Die 23jährige Wuppertalerin taucht als
Sommerstudentin in den Forscheralltag ein. Wie nebenbei begegnet sie dabei auch
den Koryphäen. Die gesamte Atmosphäre regt die Gedanken an, sagt sie: "Und
wenn man dann beim Kaffee abschaltet, macht's Klick!"
Die
Terrasse spiegelt quasi die Gründungsziele des CERN: Erfolg, Qualität,
Kommunikation, Lehre. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entwarfen führende
Wissenschaftler in Europa den Plan für ein großes, unabhängiges
Forschungszentrum. Niels Bohr, Werner Heisenberg, Louis de Broglie. Es sollte
Europas Forschung wieder aufs frühere Weltniveau führen und dafür erstklassige
Einrichtungen bereitstellen. Die Wissenschaft sollte dort ehemalige
Kriegsfeinde wieder friedlich zusammenbringen. Und unabhängig von Militär und
Verdienstzwängen sollte die Grundlagenforschung Raum bekommen. Und
Geheimhaltung zählt nicht, alle Ergebnisse sind zu veröffentlichen.
Friedliche
Feinde untereinander
1954
ratifizierten zwölf Staaten das Gründungsdokument -- zwei Jahre vor den
Römischen Verträgen der EWG. CERN stand ursprünglich für "Europäischer Rat
für Kernforschung", ist aber heute das europäische Zentrum für
Teilchenphysik und die größte Forschungsstätte der Welt. "Das war das
erste Denken einer europäischen Gemeinschaft, und man nutzte die Wissenschaft
als universelle Sprache", erklärt Generaldirektor Robert Aymar:
"Heute versuchen wir, das gleiche Ziel auf den Rest der Welt
anzuwenden."
Schon
während des Kalten Kriegs arbeiteten hier Russen neben Amerikanern, heute
nutzen mehr als 8300 Physiker aus aller Welt die Geräte. Alle sind willkommen,
betont Aymar, "und wenn wir Forscher aus Saudi-Arabien haben, tun wir sie
mit Israelis zusammen, damit sie feststellen, dass sie dasselbe Denken haben,
dieselbe Art, das Leben zu sehen". Alle fachsimpeln über scheinbar überflüssige,
sündhaft teure Grundlagenforschung. Diskutieren winzige Teilchen und das ganze
Universum. Wollen herausfinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Was
Sekundenbruchteile nach dem Urknall geschah. Und warum hat Materie eine Masse?
Angewandte
Forschung steht nicht im Programm, dafür sind Andere zuständig. Was aber nicht
verhindert, gar nicht verhindern soll, stellt Aymar schnell klar, dass immer
wieder Ideen von hier ihren praktischen Nutzen finden. Technologietransfer ist
auch ein erklärtes Ziel, und vor allem Industrie und Medizin profitieren, wenn
in der Schweiz die Forscher winzige Teilchen aufeinander schlagen lassen:
Schließlich sind für die Forschung an vorderster Front oft völlig neue
Techniken und Materialien nötig, meint der Generaldirektor: "Die können
wir nicht im Laden kaufen, wir müssen sie selbst entwickeln. Und es ist ein
Muss, das zum Nutzen der Gesellschaft weiterzugeben". Hätte das CERN
Lizenzgebühren für das WWW verlangt, es wäre längst nicht mehr auf Gelder
seiner Mitgliedsstaaten angewiesen. Immerhin 600 Millionen Euro pro Jahr.
Der
Ring
In
den letzten Jahren sind diese Gelder vor allem tief unter die Erde gewandert.
Nicht weit entfernt von der Terrasse und hundert Meter tiefer laufen die
Arbeiten fast rund um die Uhr. Ein Tunnel von 27 Kilometern Umfang zieht einen
riesigen Kreis durch das Gestein. So groß, dass die Techniker zum Fahrrad
greifen, um voranzukommen. Herzstück des Tunnels ist ein dickes blaues Rohr mit
eckigen roten Abschnitten: der LHC, der Large Hadron Collider, in dem irre
kleine, irre schnelle Elementarteilchen auf Kollisionskurs gebracht werden.
Künftig der größte Kollisionsbeschleuniger aller Zeiten, er soll er den Blick
ins Universum weiten. "Er ist quasi auch das größte Kühlhaus der
Welt", sagt Jörg Wenniger vom Kontrollzentrum des Rings. Im dessen höchst
kompliziertem Innenleben fließt später supraflüssiges Helium, um das Metall der
Magnetspulen rund um zwei Röhren in der Mitte auf minus 271Grad Celsius
herunterzukühlen. Erst dank der supraleitenden Magneten werden die starken
Magnetfelder erst möglich, die die Teilchen einmal bei 99,99% der
Lichtgeschwindigkeit auf der richtigen Spur halten sollen. Mit der Technik der
1980er Jahre hätte der Ring 120 Kilometer lang sein müssen.
An
vier Stellen durchquert er Höhlen von der Größe des Kölner Doms. Dort stehen
die Messgeräte, die die Kollisionen auswerten sollen, groß wie Ozeandampfer,
die Mikroskope der Teilchenphysik. Je kleiner das Teilchen, desto größer der
"Guckkasten". In ihrer Mitte
sollen die Atomkerne aufeinander schlagen und ihre Bruchstücke nach allen
Seiten auseinanderspritzen. Doch bevor die Teilchen dort ankommen, bevor sie
überhaupt im LHC kreisen können, müssen sie erstmal auf Tempo gebracht werden.
Das passiert in einem System weiterer unterirdischer Rundtunnel, die die Teilchen schon mal vorbeschleunigen -- denn
der LHC, erklärt der Physiker Michael Hauschild, "ist wie ein Ferrari ohne
Anlasser".
Also
greift er auf seine Vorgänger zurück, auf einige der Beschleunigerringe, die am
CERN halfen, Erfolgsgeschichte zu schreiben. Etwa das Protonensynchrotron (PS),
das 1959 der weltweit leistungsstärkste Beschleuniger war, mit nur 628 Metern
Umfang. Der Nobelpreisträger Niels Bohr taufte es mit einer Flasche Champagner.
Oder das Super-Protonen-Synchrotron (SPS) von 1976, immerhin zehnmal so groß.
Über die Jahre konstruierten und testeten die CERN-Forscher viele
unterschiedliche Beschleuniger mit jedes Mal stärkeren Magneten für immer
spektakulärere Kollisionen. Und jetzt helfen einige davon, die Teilchenpakete
mit immer mehr Energie zu versehen, bis sie exakt auf den Sekundenbruchteil in
den LHC eingespritzt und zwischen anderen Paketen ihre schnellen Bahnen ziehen
werden. Um ganz neues Erkenntnisse in der Physik hervorzubringen.
Myth
Busters und Nobelpreisträger
Das
zieht sich wie eine rote Linie durch die Geschichte des CERN. Schon der erste
kleine Versuchsbeschleuniger von 1957 konnte früh eine alte Theorie bestätigen:
Er zeigte, dass ein Pion in ein Elektron und ein Neutrino zerfällt. Neuartige
Detektoren zeigten 1973 die Existenz so genannter neutraler Ströme, so
bahnbrechend, dass sie 1984 zu CERNs erstem Nobelpreis führten. Im selben Jahr
hatten Carlo Rubbia und Simon Van der Meer mithilfe eines neuen, stärkeren
Beschleunigers die "W"- und "Z"-Teilchen entdeckt, die
Botenteilchen der so genannten schwachen Kraft, die damit bestätigt war.
Spätestens damit hatte Europa seine führende Position in der
Forschungslandschaft wieder und zog die hellsten Köpfe an, darunter auch
weitere Nobelpreisträger. Den bislang zweiten CERN-eigenen Preis aus Stockholm
erhielt 1992 Georges Charpak, der in den 1970ern einen revolutionären Detektor
entwickelt hatte, die Vieldraht‑Proportionalkammer, heute weltweiter Standard
der Teilchenphysik.
Und
ähnlich soll es weiter gehen, tief unter der Erde: mit dem stärksten
Beschleunigerring der Welt und völlig neu entwickelten Detektoren, die von
Forschungsgruppen in der weiten Welt erdacht, konstruiert und herangeschafft
wurden. In den vergangenen Monaten füllten sich die vier Höhlenkathedralen
langsam und stetig mit den Technik-Monstern, dazwischen die Arbeiter wie
Ameisen, die schraubten, schweißten und die Teile in Feinstarbeit zusammensetzten.
Üblicher Ablauf: Erst testen, dann zusammenbauen, dann wieder testen. Wilde und
doch geordnete Kabelstränge hingen noch vor einem dreiviertel Jahr überall
herum, erste Lämpchen blinkten, glänzendes Metall in allen Farben. Inzwischen ist
die Konstruktion vorbei. Alle Schraubvorgänge abgeschlossen, Umfeld aufgeräumt:
Ist der LHC erst in Betrieb, darf kein Mensch mehr unter die Erde. Sicherheitshalber.
Sicherheit
und Publikum
Denn
mitten in den riesigen Detektoren werden die beiden Teilchenstrahlen aus dem
Beschleunigerrohr kollidieren: Sie fliegen im Rohr in entgegengesetzte
Richtungen und werden von Spezialmagnete an vier Stellen auf Kollisionskurs
gelenkt. Nach dem gleichen Prinzip -- Teilchen im Magnetfeld lenken -- arbeitet
jeder alte Röhrenfernseher zu Hause. Kleine Pannen im Aufbau hatten den ursprünglich geplanten
Start von November 2007 immer wieder verschieben lassen. Schließlich will man
sichergehen, dass allen Eventualitäten vorgebeugt ist. Dazu gehörten immer
wieder auch unerwartete Kleinigkeiten. So brachen beim ersten Testlauf der
Spezialmagneten einige Halterungen, die sie am Boden hielten. "Sabotage
durch die Konkurrenz", witzelten die Forscher. Die Magnete kommen
schließlich vom FermiLab in den USA -- der Heimat des "Tevatrons",
der noch, aber nicht mehr lange der weltgrößten Teilchenbeschleuniger ist. Aber
Rückschläge gibt es an vorderster Forschungsfront immer. Und auch die
Jahreszeiten verschoben die ersten Testläufe und damit den gesamten Zeitplan: Im
Winter arbeitet der Beschleuniger nicht, weil die Stromkosten dann zu hoch
sind. Denn Frankreich heizt dann, und
vor allem mit Strom.
Dafür freute sich das allgemeine Publikum über die Verzögerung, bis wenige Monate vor
Fertigstellung herrschte Hochbetrieb. "Solange der Ring noch nicht in
Betrieb ist, darf man noch hinunter", erklärt Hauschild damals. Und so schleuste
CERN eine Neugierigengruppe nach der anderen durch die Anlagen. Vorschriftsmäßig
mit Schutzhelm. Ein paar Monate Wartezeit auf diese Touren war Usus. Trotzdem
kamen manche immer wieder, konnten wie Stammgäste das langsame Wachsen
mitverfolgen. Heute sind Besucher noch immer willkommen, denn auch über der
Erde gibt es genug zu sehen. Geforscht wird auch in vielen anderen Labors und
Bereichen. Schließlich besteht das CERN nicht nur aus dem Beschleunigerring.
Wenngleich es in den vergangenen Jahren oft den Eindruck erweckte…
Die großen Vier
ALICE
und ATLAS heißen die Detektoren, CMS und LHCb. Jeder soll mit unterschiedlicher
Technik andere Bruchstücke der Kollisionen erkennen, doch eins haben alle vier
gemeinsam: Das Loch in Längsrichtung, durch das der LHC seine wertvolle Ladung
schickt. Käme ein einzelnes Proton vorbei, hätte es soviel Energie wie ein
Mücke im Anflug -- ein Mikrojoule. Doch
die Strahlen aus gebündelten und beschleunigten Protonenpakete, erklärt
Hauschild, speichern jeder 350 Megajoule an Energie: "Als ob zweimal 120
Elefanten mit Tempo 40 auf dem Zehntel eines Nadelöhrs
aufeinanderknallen".
Und
hier kommt Albert Einstein ins Spiel. E=mc² oder "Materie lässt sich in
Energie umwandeln und umgekehrt". Also sollen sich beim Zusammenprall die
Elefanten bzw. Protonen nicht nur in ihre Einzelteile zerlegen, sondern aus der
Energie des Moments sollen ganz neue Teilchen entstehen. Jene Teilchen, die die
Welt zusammenhalten. Theoretisch müsste es sie geben, die dunkle Materie, die
dunkle Energie oder auch das Higgs-Boson. Das würde manchen Effekt erklären,
den man beobachten, aber nicht durch die bisherige Standardtheorie, den Überbau
der bekannten Teilchen und Kräfte erklären kann. Jetzt muss man sie nur noch
finden -- oder ganz neue Teilchen und Effekte, die vielleicht den Blick auf eine
ganz neue Physik eröffnen würde.
Auf
dem Prüfstand
"Am
Ende des 19. Jahrhunderts war auch schon mal alles klar, man musste eigentlich
nur noch den Äther nachweisen", sagt Peter Mättig von der Uni Wuppertal.
"Dann kam Einstein mit der Relativitätstheorie". Also suchen ATLAS und
CMS vor allem nach dem Higgs-Boson, dem einzigen Teilchen in der bisherigen
Theorie, das noch nicht nachgewiesen ist. Mit ihm wäre das Standardmodell der
Physik komplett. Oder muss es doch eingestampft werden und einem ganz neuen
Platz machen?
Der
LHCb-Detektor spürt nach dem Ungleichgewicht von Materie und Antimaterie. Denn
Einstein und die Symmetrie verlangen eigentlich: Zu jedem Materieteil, das aus
Energie entsteht, muss auch ein Antimaterieteil existieren. Und treffen beide
aufeinander, verschmelzen sie wieder, als Lichtblitz, zu Energie. Wir
existieren aber aus Materie. Also muss es am Anfang ein winziges
Ungleichgewicht gegeben haben.
Und
da kommt ALICE ins Spiel, der vierte Detektor. Er ist für Mini-Urknalle
zuständig. Einen Monat im Jahr sollen statt Protonenpaketen ganze Bleikerne
aufeinanderknallen und die Situation Sekundenbruchteile nach dem Urknall
simulieren. Alles verschmilzt zum winzigen Punkt aus Quark-Gluonen-Plasma, und
wenn es nach zehn Millionstel Billiardstel (10-22) Sekunden etwas abgekühlt
ist, müssten wie nach dem Big Bang viele bekannte -- und vielleicht unbekannte
-- Teilchen entstanden sein. Theoretisch sollte die Antimaterie da noch zu
finden sein.
Das
einzige, was klar ist: Es wird eine Unmenge Informationen geben, wenn die Protonenstrahlen
40 Millionen Mal pro Sekunde kollidieren. Eine Milliarde Schnappschüsse pro
Sekunde fallen zusammen in den vier Detektoren an, ohne dass klar ist, welche
interessant sein könnten. Zu viel zum Auswerten. Doch intelligente Datenfilter
lassen nur einen Bruchteil davon durch, rund 800 pro Sekunde. Das füllt immer
noch eine CD pro Sekunde und zig Millionen davon im Jahr.
WWW
und Science Fiction
Doch
mit Unmengen an Daten hat man beim CERN gute Erfahrungen. Um sie
übersichtlicher zu machen und besser mit Kollegen zu teilen, hat Tim-Berners
Lee 1989 hier schließlich das World Wide Web erfunden. Das System, Seiten im
schon länger vorhandenen Internet untereinander zu verknüpfen, damit der Leser
schlicht von einer zur nächsten "surfen" kann. Für die LHC-Datenmengen
steht schon die nächste Lösung ins Haus, das GRID. "Grid" wie
"Versorgungsnetz". Man nehme 500 Rechenzentren rund um die Welt und
schaffe ein Steuerungssystem, das ihre Speicher- und Rechenkapazität nahtlos
nutzt, als stünden sie alle im eigenen Keller. Wie das Stromnetz, in das man
sich auch nur einstöpseln muss, egal, woher die Energie kommt. Das Rechnernetz
steht bereit, wenn der Tunnel seine ersten Daten freigeben wird.
Bei
Nicht-Physikern ist das CERN vor allem bekannt geworden, weil es im
Dan-Brown-Bestseller "Illuminati" eine zentrale Rolle spielt. Im Buch
wurde mit dem LHC Antimaterie in produziert, um mit einem Gramm davon den
Vatikan in die Luft zu sprengen. Tatsächlich entsteht am CERN Antimaterie, 1995
wurden hier die weltweit ersten Antiprotonen hergestellt -- aber in winzigen
Mengen und am anderen Ende des Geländes, am "einzigen Entschleuniger der
Welt", erklärt der Physiker Michael Doser. Doch ein Gramm
Antiwasserstoff zusammenzubekommen ist
technisch unvorstellbar, sagt Doser: "Selbst wenn eine Millionen
CERN-Labore seit dem Anfang des Universums vor 14 Milliarden Jahren unentwegt
Antiwasserstoff produziert hätten, hätten sie das eine Gramm bis heute längst
nicht zusammen."
Die
"Illuminati" sollen ins Kino kommen, und vorigen Sommer waren auch die
Filmemacher da und haben recherchiert. Dan Brown war wohl nie selbst auf dem
Gelände, denn die von ihm beschriebenen Luxusgebäude sind einfach nicht zu
finden. Jeder Pfennig geht hier in die Experimente, hört man immer wieder --
meist stehen hier typische 50er Jahre-Zweckbauten, beinah mit Schmuddelcharme.
Und eins der Experimente, das in der Sonnenstrahlung nach Teilchen namens
Axionen sucht, ist sogar komplett recycelt: Es besteht aus ausgemusterten und
umfunktionierten Geräten. Eins der vielen kleinen Experimente, die manchmal im
Schatten der LHC-Giganten oft unterzugehen drohen, die es aber auch geben muss,
sagt Doser: "Wenn nicht ganz klar ist, wonach man sucht, weiß man nie, wo
man es findet".
Auch
alles andere im Buch ist Fiktion, der schnelle Superflieger, die Forscher in
weißen Kitteln und der Luftkanal, in dem sie zum Spaß herumfliegen. Nur Frisbee
spielenden Nobelpreisträgern könnte man tatsächlich begegnen. Wahrscheinlicher
sitzen sie aber auf der Terrasse und unterhalten sich. Über das Higgs zum
Beispiel, über das man schon alles weiß -- nur nicht, ob es existiert. Hermann
Hesse, Nobelpreisträger für Literatur, meinte einmal: "Man muß das
Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen".
(in
ähnlicher Form zuerst erschienen in "Stadtansichten": Das Magazin der
Autostadt Wolfsburg)
