Im Druck

Endlich unendlich

von Joachim Czichos

Eins kann man diesem Buch jedenfalls nicht absprechen: Hier schreibt ein fachlich kompetenter Autor in einem unkonventionellen, locker-flapsigen Stil ohne jedes Fachchinesisch über ein hochaktuelles Thema. Es geht um das Altern. Was passiert auf der Ebene von Zellen und Genen, wenn man älter wird? Lässt sich der Alterungsprozess verlangsamen oder gar stoppen? Gibt es eine maximale Lebensspanne für den Menschen oder werden wir in ferner Zukunft unsterblich oder, wie der Autor meist formuliert, "unendlich" sein? Ein erreichbares und erstrebenswertes Ziel sei es, so sein Resümee, das Altern zumindest deutlich zu verlangsamen, so dass wir länger jung bleiben und geistig und körperlich gesund ein hohes Alter erreichen.

 

Im ersten Abschnitt seines Buches erklärt Markus Hengstschläger, Professor für Medizinische Genetik an der Universität Wien, was beim Altern im Körper passiert. Wir lernen, dass die Länge der Chromosomen, die Telomere, über die Zahl der Zellteilungen und damit über die Lebensdauer einer Zelle entscheidet, dass es Gene gibt, die den Alterungsprozess beeinflussen und dass freie Radikale Zellen schädigen und zum Absterben bringen können. Dann geht es um theoretische und ganz praktische Möglichkeiten, das Leben zu verlängern. Dazu zählen zum Beispiel eine kontrollierte Hungerdiät, die auf bestimmte Gene einwirkt, Gentherapien oder der Einsatz von Stammzellen, um Gewebe zu regenerieren, sowie der Ersatz geschädigter Organe durch Tissue Engineering und Xenotransplantation. Doch auch der Einfluss von Ernährung, körperlicher Aktivität und einem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus sind Themen, die mit Bezug zur aktuellen Forschung behandelt werden. Dabei kann sich der Leser informieren, ohne von allzu vielen Fachausdrücken und Details geplagt zu werden.

 

Das Buch ist weitgehend in der Ich-Form geschrieben. Es klingt über weite Strecken wie der gedruckte Mitschnitt eines Vortrags vor einem Laienpublikum. Der Leser wird häufig direkt angesprochen: "Sie hätten wohl nicht gedacht,…", oder: "Geben Sie mir jetzt Recht?", oder: "Sie wissen schon …". Grundsätzlich keine schlechte Idee. Nur: Der Text wirkt allzu oft als Rohfassung eines Manuskripts, dessen Endkorrektur noch aussteht, mit häufig ins Unreine gesprochenen Formulierungen, unnötigen Wiederholungen und missglückten Satzkonstruktionen.

 

Eine durchgehend einheitliche Verwendung der Begriffe "unendlich/unsterblich" wäre wohltuend gewesen. "Unsterblich wären ja Menschen auch nach Erfüllung aller Wünsche der Immortalisten nicht - schließlich könnten sie immer noch bei einem Autounfall sterben." Und zwei Sätze später: "Unendlich zu sein hilft einem nach einem tödlichen Autounfall auch nicht." Das macht die Sache nicht gerade klarer und man fragt sich, warum es nicht genügt, durchweg von "unsterblichen" Menschen oder Zellen zu reden. Wieso hat der Lektor Satzungetüme wie dieses durchgehen lassen? "Gentherapeutische Ansätze, Klonen, Stammzellen und Tissue Engineering, also Gewebs- und Organherstellungen gepaart mit etwas Nanotechnologie und eventuell im Einzelfall auch Superprothesen sind das Menü, das nach deren Ansicht schon auf der Speisekarte steht, aber einfach, weil die Köche (die Wissenschafter) zu langsam kochen, noch nicht bestellbar ist, aber bald sein wird, um danach unsterblich das Restaurant verlassen zu können."

 

Mein Fazit: Inhaltlich interessant und fundiert, stilistisch sehr verbesserungsbedürftig. Ich könnte mir das Buch, in überarbeiteter Form, sehr gut als Hörbuch vorstellen.

 

 

Markus Hengstschläger: Endlich unendlich, Ecowin Verlag, Salzburg, 2008, ISBN: 978-3-902404-62-6, 224 Seiten, 19,95 Euro



 

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